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32
01
19691
lieber die
Chanson „Gnibert d'Andrenas“
v
(Classification der Handschriften, Analyse
und Quellenuntersuchung.)
3 u uV .
Inaugural-Dissertation
zur
Erlangung der Doktorwürde
bei der
hohen philosophischen Fakultät der Universität Marburg
eingereicht von^yvvx
Carl Siele
aus Crossen a/E.
MARBURG.
ß ach d r ackerei Oscar Ehrhardt.
1891.
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Meinen lieben Eltern
in steter Dankbarkeit,
(RECAT)
cO ‘V
DEC 181913 305137
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Einleitung,
1] Die Chanson Guibert (TAndrenas gehört zu dem nach
Gautier 1 ) aus 24 altfranzösischen Epen bestehenden Cyklus
der Geste Guillaumes von Orange oder Garins von Montglane,
wie diese Geste auch nach ihrem Stammvater benannt wird.
Von diesen Gedichten sind bis jetzt nur 8 vollständig 2 ) und
4 zum Teil 3 ) im Drucke erschienen, während von den übrigen
12 unedierten 4 ) sich nur kurze Bruchstücke in den von Paulin
Paris in 3er „Histoire litteraire de la France“ (Tome XX,
706 ff., XXII, 435 ff.) und von Leon Gautier in seinen
„Epopees framjaises“, 2 e ed., t. IV, 106 ff. gegebenen Ana-
lysen und in den Spezialuntersuchungen von Stoeriko 5 ), Hart-
mann und Rudolph 6 ) finden. Zu den noch ungedruckten Teilen
unseres Epenkreises gehört auch „Guibert d’Andrenas“, dessen
4 Handschriften ich in den Jahren 1889 und 1890 auf An-
regung des Herrn Prof. Stengel in London und Paris kopierte.
0 L. Gautier, Les Äpopees Frangaises, 2« 6d. Bd. IV, Paris 1882,
p. 4. Gaston Paris zählt in seiner „Littärature frangaise au moyen äge“
2© ed. Paris 1890, p. 62 nur 20 Epen dieses Cyklus. „Hernaut de Beau-
lande“ und „Renier de Gennes“ sind nach ihm (cf. Romania Bd. XII.
„Le Roman de la Geste de Monglave“) und K. Hartmann („Ueber die
Eingangsepisoden der Cheltenhamer Version des Girart de Viane“. Diss.,
Marburg 1889, p. 7 ff.) Erweiterungen des „Girart de Viane“ und nicht, wie
Gautier annimmt, ursprünglich selbständige Romane. Auch den „Siöge
de Narbonne“ und die „Prise de Cordres“ nennt G. Paris nicht als be-
sondere, getrennte Teile unserer Geste.
2 ) Vollständig gedruckt sind: 1) Le Couronnement Looys. 2) Le
Charroi de Nimes. 3) La Prise d’Orange. 4) Le Covenant Vivien.
5) Aliscans. 6) Beuve de Commarchis (Bearbeitung des „SiSge de Bar-
bastre“, der noch unediert ist). 7) La Mort Aymeri de Narbonne.
8) Aymeri de Narbonne.
3 ) Zum Teil gedruckt sind: 1) Girart de Viane. 2) Le Moniage
Guillaume. 3) Foulque de Candie. 4) Les Enfances Vivien.
4 ) Noch unediert sind: 1) Les Enfances Garin. 2) Garin de Mont-
glane. 3) Hernaut de Beaulande. 4) Renier de Gennes. 5) Les Enfances
Guillaume. 6) Le Departement des enfans Aimeri. 7) Le Siege de Nar-
bonne. 8) La Bataille Loquifer. 9) Le Moniage Renoart. 10) Guibert
d’Andrenas. 11) La Prise de Cordres. 12) Renier.
5 ) Adolph Stoeriko: „Ueber das Verhältnis der beiden Romane Dur-
mart und Garin de Monglane“. Diss, Marburg 1888. (Ausg. u. Abh.
LXXVII.)
6 ) Karl Rudolph: Das Verhältnis der beiden Fassungen, in welchen
die Chanson Garin de Monglane überliefert ist, nebst einer Untersuchung
der Enfances Garin de Monglane. Diss., Marburg 1890.
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6
2] Ueber diese Branche war man bisher auf eine jedenfalls
zu kurze und teilweise auch inkorrekte Analyse in der „Histoire
litteraire de la France“, t. XXII, p. 498 ff. und einige wenige
Bemerkungen in K. Nyrop „Den oldfranske heltedigtning“
Kopenhagen 1883 *) angewiesen.
3] Die vorliegende Arbeit hat den Zweck, zur besseren
Kenntnis dieses Teils der Geste beizutragen, indem sie 1) die
Stellung der 4 Handschriften zu einander feststellt, 2) eine
ausgiebige Analyse nach der inhaltlich besten Handschrift
unter Berücksichtigung der wesentlichen Abweichungen der
3 andern Handschriften bietet, und 3) die Beziehungen des
Gedichtes zu andern Epen, hauptsächlich desselben Cyklus,
näher untersucht.
Abkürzungen.
4] Aym.: Aymeri de Narbonne, ch. d. g. p. p. Louis Demaison. Paris
1887. 2 Bde. (Soc. des Anc. Textes.)
Mt. A. : La Mort Aymeri de Narbonne, ch. d. g. p. p. J. Couraye du Parc.
Paris 1884. (S. d. A. T.)
Co . Lo . : Le Couronnement de Louis, p. p. E. Langlois. Paris 1888. (S. d. A. T.)
Pr . d’O.: La Prise d’Orenge p. p. W. J. A. Jonckbloet in: Guillaume
d’Orange. Chansons de geste des XI© et XII© stecles. Tome I.
La Haye 1854. (T. II: Examen critique des ch. d. g. de Guillaume
d’Orange. La Haye 1854.)
Al . b: Aliscans, p. p. F. Guessard & A. de Montaiglon. Paris 1870.
(Les Anciens Portes de la France X.) (Der Paralleltext zu Al.
a, p. p. Jonckbloet:. Gnill. d’Orange V.)
Co. V .: Li Covenans Vivien, p. p. Jonckbloet: Guill. d’Orange IV.
E . F.: Les Enfances Vivien, ch. d. g. Partie I. p. p. Carl Wahlund &
Hugo von Feilitzen. Upsala-Paris 1886.
P\ de C .: Foulque de Candie, par Herbert Leduc, de Dammartin p. p.
Prosper Tarb6. Reims 1860.
S. de N.: Le Stege de Narbonne.
8. de B.: Le Stege de Barbastre. 2 )
G. d’A.: Guibert d’ Andreaas.
Pr. de Co.: Prise de Cordres.
jß. de C.: Raoul de Cambrai, ch. d. g. p. p. P. Meyer & A. Longnon.
Paris 1882. (S. d. A. T.)
A. u. A. : Ausgaben und Abhandlungen aus dem Gebiete der romanischen
Philologie, hsgg. v. E. Stengel, Marburg.
*) Vgl.: Christoforo Nyrop, Storia dell’ epopea francese nel medio evo.
Prima traduzione dall’ originale danese di Egidio Gorra. Firenze 1886,
wo wir p. 145 den kurzen Artikel über Guibert d’Andrenas finden.
2 ) Herr Dr. Gundlach aus Weilburg stellte mir auf meine Bitte
die von ihm seiner Zeit angefertigten Abschriften der Hss. dieses Ge-
dichtes zur Verfügung, wofür ich ihm hiermit besten Dank sage.
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I.
Die Handschriften und das Handschriften -Verhältnis.
5] Bis heute sind vier sämtlich in Zehnsilblern mit einem
Sechssilbler am Schlüsse einer jeden Tirade verfasste Hand-
schriften des G. d’A. bekannt. Drei davon befinden sich im
Britischen Museum zu London (Roy. 20 D. XI, Roy. 20 B.
XIX und Harl. 1321), die vierte in der Bibliotheque Nationale
zu Paris (fr. 24369). Wir bezeichnen dieselben mit den Buch-
staben A bis D, wobei wir J. Couraye du Parc (s. dessen
Ausgabe der Mt. A. Introduction XXVI ff.) folgen.
6] A = London, British Museum, Royal 20 D. XI, fol.
240c — 247 e; jede Spalte enthält 53 Zeilen, zusammen
2371 Verse.
7] B *) = Paris, Bibi. Nat. fr. 24369, La Valliere 23, anc.
2735, fol. 156 d — 169b; jede Spalte hat 44 Zeilen, zusammen
2367 Verse.
8] C = London, British Museum, Royal 20 B. XIX, fol.
152b— 166a; die Spalte zählt 42 — 46, meist aber 45 Zeilen,
im ganzen 2564 Verse.
9] D — London, British Museum, Harleian 1321, fol. 176a
— 191 d. Jede Spalte hat 40 Zeilen, nur fol. 184c/d und
185a/b haben 39, fol. 177c 38 Zeilen. Gesamtzahl 2459 Verse.
10] Gautier setzte in der ersten Auflage seiner „Epopees
Franqaises“, Paris 1868, t. III, p. 26 — von den 3 ihm nur
bekannten Hss. A, B, D — A und D ins 13., B ins 14. Jahr-
hundert, in der zweiten, Paris 1882, t. IV, p. 25, aber A und
B ins 14., C und D ins 13. Jahrhundert, worin auch die
neueren Herausgeber von Teilen dieser Handschriften mit ihm
übereinstimmen.
') Nach Blatt 162 folgt ein ungezähltes, dessen oberes Ende abge-
rissen ist. Ich bezeichne es mit 162*.
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8
11] Die Handschriften sind verschiedene Male in ihrer Gesamt-
heit beschrieben worden (so z. B. von Michel, Gautier, Ward 1 )),
für uns kommen im folgenden nur diejenigen Untersuchungen
in Frage, die auf eine Classification der Hss. oder vielmehr
nur einzelner Abschnitte derselben abzielten. Es sind:
1) Adolph Gundlach: Das Handschriften -Verhältnis des
S. de B. Marburg 1883, A. u. A. IV, p. 142—143 und 173.
2) J. Couraye du Parc: Mt. A. Introduction, p. XXVI ff.
3) Louis Demaison : Aym. Introduction p. XXIV ff. und
XLI ff. —
4) Alfred Nordfeit spricht in seiner „Classification des
Manuscrits des E. V.“ im „Recueil de memoires philologiques
presentö ä M. G. Paris etc.“, Stockholm 1889, und in den
„Etudes sur la chanson des E. V.“, Stockholm 1891, die sich
an die Ausgabe der E. V. von Carl Wahlund und Hugo von
Feilitzen, Paris-Upsala 1886, anschliessen, nur von dem Ver-
hältnisse von A zu B, da er es sonst mit anderen Hand-
schriften zu thun hat.
12] Alle 3 erstangeführten Arbeiten stimmen darin überein,
dass die 4 Hss. 2 Gruppen bilden, dass A B C D gegenüber-
steht. Die nachstehende Untersuchung ergiebt, dass diese
Ansicht auch für G. d’A. zutrifft.
1. A und B bilden eine Gruppe gegenüber C und D.
13] Schon bei einem flüchtigen Vergleiche der Hss. des
G. d’A. erkennt man die grosse Aehnlichkeit zwischen A und
B gegenüber C und D, die ihrerseits wieder die engsten Be-
ziehungen zu einander aufweisen. Um jeglichen Zweifel zu
beseitigen, seien eine Anzahl fehlerhafter Lesarten und Lücken,
in denen je 2 Hss. gegen die andern Zusammengehen, an-
geführt.
A. Gemeinsame Lesarten von 2 Hdss. gegen die andern,
a. Gemeinsame Fehler von AB gegen CD.
14] A 241 e 46—53 und B 159c 14—21 lautet es:
46 (14) „Biax filz Quillaumes ne soiez recreüz
47 (15) 0 .XX. M. homes armez et feruestus
48 (16) A roides lances et ä destriers crenus!
49 (17) 0 nous menrons nos amis et nos druz.
*) Catalogue of Romances in the Departement of Manuscripts in the
British Museum. Vol. I. London 1883.
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9
60 (18) Pour 8ecours querre sui ci ä vous venuz.
51 (19) Venez o moi, ne soiez recreüs!
52 (20) 0 nous menrons nos amis et nos druz,
53 (21) Tant que serons. c. milliers ä escuz“ ....
C 154 d 33 — 39 und D 179 a 18—24 lesen wir dagegen:
33 (18) „Biau filz Guill aumes ne soiez esperduz (D: recreüz)!
34 (19) Por secors querre sui ci ä uos uenuz.
35 (20) Venez o moi, ne soiez esperduz,
36 (21) A .X. M. homes armez et fernestuz
37 (22) A roides lances, ä bons destriers quernuz!
38 (23) 0 nos merrons nos amis et nos druz,
39 (24) Tant que serons .c. milliers ä escuz“
Die Verse A 241 e 50 — 51 und B 159c 18—19 stehen
fälschlicher Weise zwischen den zwei gleichlautenden Versen
A 241 e 49 und 52 = B 159 c 17 und 20, anstatt, wie C
und D es richtig haben, unmittelbar nach Vers A 246 e 46
= B 159 c 14 zu folgen. Nur so ist die Stelle verständlich.
15] A 244 d 24—27 = B 163 c 17—20 lauten:
24 (17) „Bataille quier ä ceus de la eite,
25 (18) Mal soit de cel qui se soit adoube
26 (19) A .ij. milliers qui lä seront trouue“.
27 (20) Cil de leenz en sont as murs montä . . .
C 159 d 8-11 = D 184 d 35-38:
8 (35) „Bataille quier ä cels de la eite
9 (36) As .ij. meillors (D: mellors) qui lä (D: i) seront trouA
10 (38) Mal de celui qui s’en soit adob6“.
(D: Mal soit de cel qui ann oit mot sone“.)
11 (37) Cil de leeinz en sont as murs montA
(D hat die beiden letzten Verse unrichtiger Weise um-
gestellt).
Die Versstellung von AB ist falsch und der Sinn so un-
klar; „ meillors “ (mellors) in CD für „milliers“ in AB wohl
die bessere Lesart.
16] A 244 e 47 — 48 = B 164a 7 — 8 (B hat in 5—6
noch zwei weitere Verse) sind Verse, die in C 160 a nach
v. 43, in D zwischen 185 b 35 und 36 fehlen und dann in
allen Hss. 10 Verse weiter am rechten Platze wiederkehren;
es sind also entbehrliche Einschiebsel in AB. — An der-
selben Stelle heisst es in A 244 e 49 = B 164 a 9, dass
5 Sarazenen zum Könige Judas eilen, um ihm die Nachricht
von der Einnahme des Turmes Argoline zu überbringen, wäh-
rend in C 160 b 1 und D 185 b 36 nur von einem die
Rede ist.
17] A 246 a 5 = B 166 a 36 lesen wir:
Autour franco«« a le turc mort iet$.
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10
C 162 d 13 = D 188 a 12 steht dafür:
Antor francois ra lo tierz mort ietd.
C fügt v. 14 noch hinzu:
Puis ra lo qart et lo quint afolö.
Wir sehen, dass AB „turc“ für „tierz“, in der Vorlage
vielleicht „tierc“ geschrieben, verlesen hat, da sonst die Tö-
tung des dritten der 5 Heiden in AB ganz verschwiegen
wäre, während alle Hss. im folgenden dann den Fall des
vierten und fünften ausführlich berichten. —
Vergleichen wir hierzu A 245 c 18 = B 165 a 14:
Si aionsterent .ij. M. maintenant
und C 161b 22 = D 186c 35:
Dont aiostent les .ij. oz ai'tant
(D: Lors asamblerent les .ij. olz maintenant),
wo ein ähnlicher Schreibfehler zu Grunde liegt.
18] A 247a 46 = B 168a 41:
Qtti les occient et sanz rachastement
ist „et“ eine fehlerhafte Einschiebung.
C 165a 3 steht dafür:
Toz les oc'ient sanz nnl delaiement.
D 190b 39:
Toz les oci'strent sanz nul rachastement.
19] A 241 e 9—11 = B 159 b 21—23:
Tel auenture lor a diex fet donner,
Que. XV. (B: Qu’ä .XVI.) lieues par dehl Balesguer
Trouua Guibers le chetif Aymer.
C 154c 39 — 41 =D 178d 18 — 20 steht dafür richtig
„ li a dex fet donner,
Qu’h .XV. Heues par delä Balesguer
Troua Guiberz lo chetif Aymer“.
20] A 240f 47 = B 158 a 14 sagt der alte Aymeri zu
seinem Sohne Guibert:
„Si me Yerrez tous mes . VII. filz mander“.
C 153b 35 = D 177b 11 spricht er nur von „.VI. filz“,
was die richtige Lesart ist, da Guibert ja der siebente und
jüngste von Aymeris Söhnen ist (cf. hierzu auch „Aym. v.
4504 und 4603 ff.)
b. Gemeinsame Fehler von CD gegen Aß.
21] C 155a 45— 155b 1 = D 179b 37—38:
En sa compaigne maint cheualier uaillant.
Li Quens apele Hermeniarz la uaillant.
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11
Der Verschluss des zweiten Verses ist dem ersten ent-
nommen. A241f 53 = B 159 d 30 finden wir richtig dafür
„la sachant “ (B: le s.)
22] C 157c 15— 16 = D 182 b 5—6:
Li rois Baudux xe prist ä. escrier:
„Argali’ene, que ne me secorez“?
(D: Argaliane, et car me secorez!)
für A 243b 50— 51 = B 162b 13—14:
Li rois Bandus les prist ä. apeler :
„A! (B: Ha!) Galiene, uenez moi deliurer“!
Die Kopisten von C und D haben die Interjektion Al
(B : Ha !) infolge der grossen Aehnlichkeit zwischen dem Aus-
rufungszeichen und dem Buchstaben r fälschlich zum Namen
„Galiene“ hinzugezogen. Das „et“ in D ist unverständlich.
23] Nachdem der seines Landes beraubte unglückliche König
Bauduc von Judas freundlich aufgenommen worden ist, fährt
C 158a 7 = D 182 d 20 dem Zusammenhänge zuwider fort:
A Andrenas en sont uenu gabant.
A 243 d 34 = B 162d 15 haben dafür „atant“.
24] Als der alte Aymeri dem gefangenen Heidenkönig Bau-
duc alle die Vergünstigungen aufgezählt hat, die er ihm zu
teil werden lassen will, wenn er bei den Seinen die Ueber-
gabe der Stadt Balesguer bewirke, antwortet der Sarazenen-
fürst: C 157 b 30 = D 182 a 14:
„Ge otroi (D: ostroi) bien ce que uos oi conter“,
während A 243b 20 = B 162a 27 dafür zu lesen ist:
„Je croi bien ce que ie vous oi conter“.
Die Lesart „uos croi“ ist vermutlich die ursprüngliche und
„ostroi“ daraus verlesen.
25] C 164 a 10 = D 189 b 20 wird von dem Feldzeichen,
das der gefangene Aymeri in Andrenas zum Turmfenster
hinaushängen lässt, berichtet, dass es eine „croiz tiermeille“ hat.
C 164b 32 = D 189 d 8 heisst es aber:
La croiz en mi blanche com flor de lis,
während wir A 246d 42 = B 167b 11 zwar auch finden
„as crois vermeilles“, aber 246e 53 — 167c 30:
La flor de lis par dedenz la crois mis.
Wir erwarten in dieser letzten Lesart „mise“. Ursprüng-
lich wird gestanden haben:
La flor de lis dedenz la crois en mi.
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12
B. Lücken.
26] In CD fehlen Verse, wie:
A 242a 53 = B 160a 40; A 242d 31 = B 161a 2;
A 242 e 47 = B 161b 27; A243e20— 21 =B 162*a 10—11;
A 244c 7 = B 163a 33; A 244c 39 = B 163b 21;
A 244 f 27 = B 164a 40. —
Die Zahl der Fälle, wo in A B Verse fehlen, die sich in
CD finden, ist weit grösser; ich führe daher nur folgende
charakteristische an:
C 154b 3 = D 178b 10; C 154d 8 = D 178d 32;
C 155b 39 = D 179c 37; C 157a 25 = D 181d 2;
C 168c 29 =D 183c 22; C 158d 26— 29=D 183d 29—32;
C 159b 27 — 29 = D 184c 3—6; C 159c 5 = D 184c 25;
C 159c 40 = D 184d 22; C 160b 30 = D 185c 27;
C 161b 17 = D 186c 29; C 161c 11 = D 186d 27;
C 162d 44— e 2 = D 188b 3—5; C 163b 19 =D 188c 25;
C 164d 1=D 190a 30; C 165a 6 = D 190c 3;
C 165a 8— 11 = D 190c 5—8; C 165d 11 = D 191c 3.
27] Da es zwecklos wäre, alle sonstigen abweichenden Les-
arten beider Gruppen aufzuzählen, greifen wir nur noch eine
beliebige Tirade des Gedichtes heraus und stellen den Text
der beiden Gruppen gegenüber, indem wir uns dabei an die
Schreibart von A einer- und C andrerseits halten. Der Mangel
jeder eigentlichen Variante in B von A, sowie die immerhin
geringfügigen Abweichungen in D von C zeigen zugleich recht
deutlich die enge Verwandtschaft, welche zwischen A und B,
sowie zwischen C und D besteht.
28] Die Tirade A 241a 23— b 9 = B 158a 43— b 38 lautet:
1 Or ot li peres l’otroi de son enfant,
2 Forme n t en ot le euer lie et ioiant.
3 .iiij. baron s’en lieuent en estant
4 Qui li amainent Aymeriet deuant.
5 Quens Ay meris se leua en estant:
6 „Filluel, dist il, uenez . i . poi auant,
7 Tenez Nerbowe, ie uous en rent le gant,
8 De cui me seruent cheualier et seriant!
9 Je le te doins par itel couuenant,
10 Que dies t’en face baut et liö et ioiant.
11 Garde paiens, ne te truisent taisant,
12 Neiz qu’il ont fet kymeri (B: Aymeri) le ferrant.“
13 A ces paroles en apela Morant:
14 „Toutes mes armes aportez ci deuant!
15 S’adouberai mon filluel maintenant,
16 Mäs une chose vous di io en oiant:
17 Ne demourra mie ci longuement
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18 Por seiorner ne por dosnoiement,
19 0 moi ira en Espaigne la grant
20 Penre la terre Guibelin raon enfant,
21 Ne li faudrai en trestout mon uiuant“.
22 „Sire, fet il, tout k uostre talent M .
23 Toutes les armes li aportent deuant,
24 El dos li uestent . i . hauberc jaseraut,
25 El chief li lacent . i . vert elme luisant;
26 Quens Aymeris au poil chenu ferrant
27 Li ceint Pespee au poing d’or reluisant
28 Esckafaudine qui fu au uiel soudant;
29 Hauce la paume Aymeris li uaillant,
30 A son filluel en done . i . cop si grant,
31 Tout Pembronca sor l’auberc jaserant.
32 „Filluel, dist il, m’espSe te commant,
33 Je le te doins par itel couuenant,
34 Que diex te doint honor et hardement;
35 Se mieudre n’ez, ä moi soies semblant
36 Aussi hardis et aussi combatant
37 Et sus paiens autressi conquerant.
38 Biax cliier filluel, por uoir le te creant,
39 Que couardise ne fis en mou viuant,
40 Jä ne l’orras retraife“.
C 153 c 20 — dl5 = D 177 c 2 — d 6 heisst es dagegen
1 Or ot li peres l’otroi de son enfant,
2 Forment en a (D : ot) le euer li6 et ioiant.
3 .iiij. baron se lieuent en estant
4 Qui li amoinent Aymeriet deuant.
6 Voit PAymeri, lieue soi aitant (D: maintenent):
6 „Filluel, dit il, uenez . i . po auant,
7 Tenez Nerbone, si receuez (D: ie uos au doig) lo gant,
8 Dont me (D: il me) seruent cheualier et seriant!
9 Ge la te doig par itel couenant,
10 Que dex t’en (D: te) face baut et li6 et ioiant.
11 Garde (D : Gardes), paien ne te truissent tesant,
Ne enuers eis (D: aux) mat6 ne recreant,
12 Ne qu’il ont fet Aymer lo ferrant“ !
13 A cez paroles en apela Morant:
14 „Totes mes armes aportez (D: m’aporte) ei auant (D: devant)
15 S’adouberai mon filluel aitant (D: maintenant),
16 M&s une chose li dirai en oiant:
17 Ne seiorna (D: demorra) mie ei louguement
18 Por reposer ne por donoiement,
19 0 moi ira (D: vandra) en Espaigne la grant
20 Prendre la terre Guibelin mon enfant,
21 Ne li faudrai \k ior en (D: k) mon viuant“.
22 „Sire, fet il (D: eil), tot k uostre comant“.
23 Totes ses armes li aportent deuant,
24 El dos li uestent la (D: .i.) hauberc iazerant,
25 El chief li lacent le uert eaume luisant;
26 Quens Aymeris au poil chanu ferrant
27 Li caint PespSe au pont reflambiant (D: d’or reluisant)
28 Escaufadine (D: Escaufagine) qui fu au uiel sodant;
29 Hauce la paume Aymeris le uaillant,
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14
30 A son filluel en done .i. cop pesant (D: si grant),
31 Tot l’enbroncha soz Taubere iazerant.
32 „Filluel, dit il, m’espSe te eomant,
33 De moi la tien par itel couenant,
34 Que dex te doinst proece et hardement;
36 Ausi hardi et ausi conbatant
35 Se meudre n’es (D: n’i&s), ä moi soies senblant
37 Et uers paiens autressi conquerant.
38 Biau chier filluel, por uoir le te creant,
39 Que (D: Ainz) coardise ne fist k son viuant
40 Li sires de Nerbone“.
2. Das Verhältnis von A zu B.
30] Bereits A. Gundlach hat A. u. A. IV, p. 143—145 be-
wiesen, dass A und B (bei ihm mit D und L bezeichnet)
„fast durchweg, selbst in Kleinigkeiten Zusammengehen, ohne
aber darum von einander abhängig zu sein“, (cf. p. 173.)
31] J. Couraye du Parc, der B für jünger hält als A, (cf.
Mt. A. Introduction, p. XXVI f. und XXXIX.) vertritt, ohne
sich auf Gundlach zu beziehen, die gleiche Ansicht. Er be-
weist auch, dass B nicht von A abgeschrieben sein kann ; die
Möglichkeit, dass B Vorlage für A sein könnte, war infolge
seiner Datierung der Hss. für ihn von vornherein nicht an-
zunehmen und hat er sie darum auch durch keine spezielleren
Beweise ausgeschlossen.
32] Ebensowenig wie du Parc hat L. Demaison sich auf
Gundlach bezogen. Er weist umgekehrt wie du Parc nach
(cf. Aym. Introduction, p. LI ff.), dass A keine Copie von
B sein könne, während er für B einen Unabhängigkeits-
Beweis von A beizubringen unterlässt, weil: (p. LIII)
„celui-ci doit etre d’une date un peu posterieure , ainsi que
nous l’avons dömontrö plus haut“. Dort (p. XXXIV ff.)
stützt er seine Behauptung auf einen Vergleich der in beiden
Hss. seinem Gedichte vorausgehenden Miniaturen. Er sagt
da: „Les miniatures qui preeödent Aymeri de Narbonne
dans les deux manuscrits ont tant de similitude qu’ eiles sont
sürement imitees d’un meme modele. Ces analogies si
frappantes ont fait croire ä M. H. Suchier que le copiste du
ms. 24369 avait eu l’autre ms. sous les yeux“. ‘) Aber die
*) Cf. Ward I, 643: „Since writing the above“ (es handelt sich um
die Beschreibung der Handschrift Roy. 20 D XI) „I have been informed
by M. Hermann Suchier that he feels convinced that the scribe of La
Vall. 23 had the present Hs. before him“.
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15
Rüstungen und Waffen seien auf dem Miniaturbilde von B so
gemalt, wie sie am Anfänge, die von A, wie sie gegen Mitte
des 14. Jahrhunderts getragen wurden“.
33] Daraus lässt sich jedoch meiner Meinung nach noch kein
stichhaltiger Beweis für Demaisons Datierung der beiden Hss.
entnehmen. Kann doch der eine Maler sich genau an die
alte Vorlage gehalten haben, während der andere, obwohl
älter, sich grössere Freiheit gestattete. Und wäre es andrer-
seits so unerhört, dass das modernere Bild in der älteren Hs.
erst später nach dem Vorbilde der Miniatur der jüngeren Hs.
in den dafür vorgesehenen freien Raum eingemalt wäre?
34] Alfred Nordfeit endlich hat in seiner „Classification des
Manuscrits des E. V.“ und in seinen „Etudes sur la chanson des
E. V.“, ohne Rücksicht auf das Hss.-Alter zu nehmen, unter
Vergleichung noch anderer Hss. für die von ihm untersuchte
Chanson die volle Unabhängigkeit jeder der beiden Hss. von
der andern dargethan, ohne freilich auch seinerseits Gund-
lachs gleichartiger Resultate zu gedenken.
35] Wie C. du Parc und A. Nordfeit, so schien auch mir
für den ersten Augenblick die Hs. B unseres Gedichtes eine
wenn auch indirekte Kopie von A zu sein, da die Lesarten
beider Hss. fast durchweg identisch sind und sich beinahe
alle Lücken und Fehler in beiden Hss. finden. — Verse, wie
B, 164a 5—6, 169a 1 — 2 und 5 — 6, die in A fehlen, sind
Interpolationen ; sie fehlen auch in C und D. — Genaueres Zu-
sehen ergab jedoch, dass beide Hss. unabhängig von einander
sind.
a. A kann nicht Vorlage von B sein.
36] In A fehlt fol. 242 c der die -er-Tirade schliessende
Sechssilbler, den wir sonst nirgends missen. Allerdings könnte
B diesen Halbvers, der in C D anders lautet, selbständig hinzu-
gefügt haben.
Abgesehen von diesem zweifelhaften Falle, treten uns
aber in B eine Anzahl Lesarten entgegen , die B mit C D
gemeinsam hat.
37] A 246b 6 — 7 lesen wir:
Quant il le uoient en haut li ont huc‘§:
„N’en meurez (mourez?) pas fei uiellart renoi6 w .
B 166c 3 = C 163a 31 — D 188b 34 steht richtig
dafür: „N’en irez pas (C D mie) ....
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16
38] A 244 f 62—53:
S'einsi le faites coin ie vous oi conter
Li miens tresors vous sera deliurez.
B 164b 22; C 160c 17; D 185d 17 haben dafür: „ferai
deliurer“. (D: ferai tot liurer.)
39] A 242 e 6—8:
Fiert le paien sor son escu liste,
De chief en autre li a frait et troe
Et le hauberc desrompre et despaner.
B. das den Worten nach hier mit A geht, hat 161a 32
richtig „rompu et despane C 156 c 1 und D 180 d 37 gehen
andererseits zusammen und lesen: „derroz (D: et roz) et
dessafrez
40] A 247 d 14:
„La serez vous .iij. M. de ma gent“.
B 168d 36 hat: „Laisseren vous“; C 165c 39 hat:
„Lesserai uos“; D 191b 21: „Laiseroiz uos“.
41] A 240d 31 liest A allein falsch: „Andecrias“ für „An-
dreres“ der anderen Handschriften.
b. B kann nicht Vorlage von A sein.
Beweise:
42] Der von A C D übereinstimmend gebotene von B ab-
weichende Schluss des Gedichtes (cf. p. 97).
43] Zwischen 167 b 23 und 24 fehlt in B ein Vers, der in
A C D enthalten und für den Sinn des folgenden unentbehr-
lich ist: Die Stelle lautet nach ACD (A 246 d 53 — e 3;
C 164a 22—25; D 189 b 32—35):
1 „Or poez vous ueoir et (C: uos bien por uoir; D: bien tot por
uoir) esprouuer
2 Ce que l’en seult et oir (C D : seit o'ir dire) et conter
3 Qu’en sa meson seult l’en tel osteier (CD: fet en tel amener)
4 Qui en la fin le fet tost (B: tout) hors (CD: l’en fet puis fors)
bouter (C: ieter)“.
In B fehlt Vers 3.
44] Zwischen B 167b 2 und 3 fehlt A 246d 33 = C 163d
45 =D 189b 11.
Augalete verheisst dem im Turme von Andrenas ge-
fangenen greisen Aymeri Rettung aus der ihm drohenden
Lebensgefahr; er vertraut auf ihre Hülfe und verspricht ihr
dafür dankbar zu sein.
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17
„Sire, ... ne uous couient douter“,
entgegnet sie und eilt, ihn zu bewaffnen.
Die Worte der Königstochter fehlten in B.
45] B 162b 30—31 lauten:
La vile prennent enuiron de tous lez,
A maint paien en ont lez chies copez . . .
A 243c 15; C 157c 33; D 182b 23 steht dafür: „A
. M. (D: mil) paiens“.
46] B 162*b 16 heisst es von Aymeriet:
. . . fils au duc Bueuon le Her
„Bneuon“ ist fehlerhaft, da AOD (A 243 f 17; C 158c
1; D 183 b 33) an dieser Stelle und alle 4 Hss. am Anfänge
unserer Chanson (A 240c 48; B 157 a 34; C 152c 12; D
176b 15) „Tierri“ (C: Terri) aufweisen.
47] B lässt 159 b 22 Guibert den „chetif Aymer“
XVI. Heues par delä Balesguer
finden, während A 241 e 10 gemeinsam mit C 154 c 40 und D
178d 19 nur „.XV. Heues “ zählt.
48] B 163 a 14 erblickt Aymeri „.XX. marcheans“, die dann
den Streichen der Franzosen unterliegen. A 244b 41; C 159b
1 und D 184b 15 haben: „.X. marcheans“.
Diese Fälle mögen genügen, um die Unabhängigkeit jeder
der beiden Hss. A und B von der andern zu beweisen.
3. Das Verhältnis von C zn D.
49] Schon A. Gundlach (A. u. A. IV, p. 145 — 150) und
L. Demaison (Introd. p. XLIX — LIII) haben für ihre Gedichte
voll bewiesen, dass C und D von einander unabhängig sind.
Du Parc unterlässt es (Introd. p. XXXIX) zu beweisen, dass
keine der beiden Hss. von der andern abgeschrieben ist; er
betont nur ihre grosse Verschiedenheit und beweist dann an
der Hand der „remaniements“, dass zwischen jedem der beiden
Manuscripte und der ihnen gemeinsamen Vorlage noch mehrere
Kopieen existierten.
In welchem Zusammenhänge stehen nun die gleichen Hss.
unseres Gedichtes?
a. C kann nicht Vorlage von D sein.
50] In C finden wir die meisten Lücken und andererseits
die meisten Zusätze, die D mit AB nicht bietet. Von den
Lücken erwähne ich nur folgende charakteristische:
ä
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18
51] Nachdem die Heiden im Turme von Andrenas sich er-
geben haben, wollen sie sich taufen lassen. Es heisst da A
247c 9—11; B 168c 22—24; D 190d 37—39 von den Fran-
zosen :
Emni la nile ont .i. (D: les) fons apieste
En une cuue de vert (D: q’ert de) raarbre liste,
Yaue i metent (D: D’eve font raestre) dedenz ä grant plente.
In C fehlt der mittlere Vers zwischen 165 b 30 und 31,
welche lauten:
Enmi la vile ont les fonz apreste
Et si font metre de l’ene grant plente.
52] C erwähnt nicht fol. 165c zwischen v. 30 und 31, dass
die Franzosen auf ihrem Rückwege nach Nerbone die Stadt
Balesguez wieder passieren, was ABD (A 247d5; B 168 d
27; D 191b 12) thun, während sie dann im folgenden Verse
alle hinzufügen:
Le roi Baudu lessent en la contrfce . . .
53] Nachdem Bauduc dem Aymeri eine List vorgeschlagen
hat, um die Übergabe von Balesguez zu bewirken, fährt, er D
182a 25 fort:
1 „Je ai .iij. filz qui ti.it sont bachelev
2 Et ma mollier qui molt fet ä loer.
3 Desus ces murs vandro[n]t por esgarder.
4 Quidiez uos donc que puissent andurer . . ?
Vers 3, der in C 157 b zwischen v. 42 und 43 fehlt, hat D
mit A B (A 243b 33; B 162a 40) gemeinsam. A 243b
48—49 = B 162b 11— 12 = C 157c 13—14 =D 182b 3— 4
lesen dann alle 4 Hss. :
Desor (D: desus) les murs fu la (BD: sa) femme au vis der
Et si .iij. fil qui estoient molt ber (C D qui furent bacheier).
54] Ausserdem fehlen in C noch 84 Verse, die D mit A B
gemeinsam hat.
55] Für die Tirade A 245 d 43-ell = B 165c 3— 24 = D
187 a 38 — b22 hat C 161 d 14 — 162 a 15 48 Verse, also
26 Verse mehr als AB und 23 Verse mehr als D, wo sich
3 in AB fehlende Verse von C vorfinden.
56] Auch sonst bietet C eine Menge Zusatzverse, die ge-
meinsam in ABD fehlen. So hat allein C 162b 12— 162 d 15
38 Verse mehr als ABD.
C hat ferner verschiedene isolierte und fehlerhafte Les-
arten, die D mit AB richtig hat:
57] C 155 c 3—4:
„Bien dites sire u , dit la dame de pris.
Atant monta sor .i. destrier de pris.
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19
Der Versschluss des ersteren der beiden Verse ist aus
dem folgenden heraufgenommen. A 242 a 46; B 160a 32; D
179d 10 haben dafür: „la dame gentis“.
58] C 158a 11 wird die zweite der 4 „puceles“ „Luce“ ge-
nannt, während sie D 182d 24 = A 243d 38 = B 162 d 19
„Lnnete“ heisst.
Diesen Namen bieten dann auch alle 4 Handschriften:
A 243 e 11; C 158a 37; D 183a 11; B 162*a fehlt das obere
Ende des Blattes, doch ist wohl anzunehmen, dass B wie
vorher so auch hier übereinstimmend mit A ihr diesen Namen
beilegte.
59] In C 158 a 35:
„Et por lo sonie dont irC as fere ioiant“
ist „fere“ unverständlich. D 183a 9 lesen wir dafür richtig:
„Tot por le sonie (lont tu m’ as fet ioiant“.
Dieselbe Lesart haben AB (A 243e9; B 162d43).
60] C 159 a 19—20:
Deu reclama et la söe uertu :
„Par mandicon ai mon enfant perdu . . .“
D 184a 27 ff. lauten:
1 Dieu reclama, le uerai roi Jhesu:
2 „ Gloriex pere, par la teve uertu,
3 Par maudicon ai mon pere perdu . . .“
A 244b 14 — 16; B 162*d31 — 33 haben dieselbe Lesart wie
D, nur haben sie im letzten dieser Verse statt des im Zu-
sammenhänge falschen „pere“ das richtige „enfant“.
Wir sehen, dass C in v. 159a 19 den Versschluss dem
Sinne des Verses gemäss umgemodelt mit D 1 84 a 28, A 244b
15, B 162*d32 gleich hat. ABD haben 1 Vers mehr als
C d. h. einen gemeinsamen von C abweichenden Versschluss
im ersten und Versanfang im zweiten der 3 Verse. C kann
demnach nicht Vorlage für D sein.
61] C 162b 46— cl:
Et dit Judas: „Mahons uos sott garant
Qui hui cest ior uos soit de mort garant“.
Das Schlusswort in 162b 46 ist aus dem folgenden Verse
entnommen. D 187d 7; A 245fl5; B 165d 37 lesen dafür:
„d Mahom vous commant“.
62] In C ruft v. 163b 11 der Sarazene Brunamont dem alten
Aymeri, der seines Rosses beraubt in arg bedrängter Lage
ist, zu:
„Se te reraues i k te ferai dolent“.
2 *
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20
v. 12 fährt die Hs. dann fort:
Quant l’ot li quens molt graut pitie Ten prent.
Dies „pitie“ passt durchaus nicht in diesen Zusammenhang.
D 188c 18 liest dafür „poor“, ebenso A 246b 28 und B 166c 24.
b. D kann nicht Vorlage von C sein.
Es fehlen in D im ganzen 16 Verse, die sich in 0 und
AB vorfinden. Die wichtigsten sind:
63] v. C 162c 26.
0 152c 21 ff. sagt Aymeri zu seiner Gemahlin über seinen
„filluel“ Aymeriet:
1 „De filolage noient ne ]i promis.
2 A lui otroi Nerbone et lo pais
3 Jusqu’ k Bordiax et iusq’ k Mon-Cenis,
4 .iiij. citez et chastiax .xxxvi.“.
5 „Por amor deu, lo roi de paradi[s],
6 Dex aide (!), dit la dame ientils,
7 Com riebe fillolaie“ !
Vers 6, der zum Verständnis des letzten dieser 7 Verse
unbedingt nötig ist, fehlt in D 176b zwischen v. 29 und 30,
während A und B (A 240dl2; B 157b 5) ihn aufweisen.
64] C 153b 26— 27.
C 153 b 24 ff. sagt Aymeri zu Guibert:
1 „Tais, gloz leebierre, dit Ay meris li ber,
2 Fil k putain, garcon, coart prouez!
3 De mon seior que auez k parier?
4 Se ie m’ aaise et faz mes riehetez,
5 Ge lo conquis dedenz mou jueue aA
6 Se uolez fere ausi, sei conquerez“!
Vers 3 und 4 fehlen in D 177 b zwischen v. 3 und 4;
v. 6 ist ohne sie unverständlich. AB (A 240f 39— 40; B 158a
6 — 7) haben die beiden Verse mit C gemeinsam.
65] C 156c 24.
C 156 c 23 ff. heisst es :
1 De Pautre part ont fier estor rendu
2 Quens Aymeris ä la fiere uertu
3 Et Aymer et Hernauz li membruz.
In D fehlt 181a zwischen v. 21 und 22 Vers 2. AB
(A 242e 32; B 161b 12) haben diesen Vers, und kurz darauf
wird Aymeri in allen 4 Hss. handelnd erwähnt.
66] C 163d28— 31.
In D sagt Aymeri fol. 189 a 36 ff. zu Augalete betreffs
seines Sohnes Guibert:
1 „II vos prandra k moliier et k per,
2 Si uos ferom en fonz regenerer“.
3 „De uos garir quit bien par tans panser . . . . “
Diese letzten Worte sind die Antwort Augaletes und
stehen unvermittelt zum Vorhergehenden. C (163d28— 31)
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21
und AB (A 246dl7— 20; B 167a 31 — 34) haben zwischen
Vers 2 und 3 noch folgende Verse:
„Tot cest pai's aurez ä gouerner,
Si uos fere anhedox coroner.“
„Sire, dit eie, ce fet ii mercier,
Se uos (A B : i-) ce fetes que uos oi deuiser . .
Von isolierten Lesarten in D führe ich an :
67] D 177 b 19:
„Paserous utre Lalinde et Balesguez ..."
für das richtige „Lande“ (C: Leride) der andern Hss. (A 241a
2; B 158a 22; C 153b 43).
68] D 177b 29:
„Des, dist G{ui\ll[aumes}, biax rois de maiestg . . .“
fehlerhaft für „Guibers“ in ABC (A 241a 12; B 158a 32;
C 153c 9), mit dem Aymeri im Zwiegespräche ist.
69] D 178c 14— 15:
Truevent Garin le nobile baron,
Tot lor mesaie lor content jusq’an son.
„Lor“ ist falsch; die übrigen Hss. lesen „li“. (A 241 d 23;
B 159 a 26; C 154b 45).
70] D 178d 33 steht fälschlicher Weise :
„0 pales de Viane“ für „de Nerbone“ in ABC (A 241 e
23 ; B 159b 35; C 154d 9), wovon nur allein die Rede sein kann.
71] D 180c 7— 9:
1 „Franc cheualier, dist il, or i parra,
2 Vus estes tuit mi fll, or i parra
3 Qui sor paiens hardiement ferra.“
ist der Versschluss von v. 1 aus v. 2 entnommen. C 156 a
24 hat mit A 242c 47 und B 160d9 dafür: „entendez ca“.
72] D 183c 15 — 17 sagt Guibert zu seinen Baronen:
„Antandez moi, mi nobile parant:
Quens Ay meris nos maine malement
Por son neuen que il aimme forment . . .“
Für das falsche „neuen“ bieten die andern Hss. (C 158 c 24;
A 243 f 40 ; B 162*b 39) das richtige „filluel“, da es sich hier
um Aymeriet, Aymeris Patenkind, handelt.
73] D 185a 7—8:
„Ce est GuiWaumes, ie l’ai bien auise.
Cil au cort nes, ie l’ai bien auise“.
ist das zweite Hemistich von 185 a 7 in 8 übergegangen. C 1 59 d 20
lautet dasselbe : „au coraie adure“ ; ebenso A 244d 35 und B 1 63 c 28.
74] D 188b 19— 21:
Tant a le glot & esperon chacie,
Que prös do gue aual le consuie.
Desor son hiame a plain le consiuie . . .
Das „le consiuie “ des letzteu dieser Verse ist aus dem vor-
hergehenden entlehnt. C 163a 18 hat mit A 246a 47 und B
166 b 34 den gemeinsamen Versschluss : „li a tel cop paii“.
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22
75] Das Resultat unserer Untersuchung ist also: A und B
ebenso C und D bilden Gruppen; die Hss. jeder der beiden
Gruppen sind unabhängig von einander. A und B gehen auf
eine gemeinsame Vorlage v zurück, während C und D von
einer Vorlage z herrühren. Doch auch diese Vorlagen sind
nicht direkt von der Originalhandschrift abzuleiten, sondern
weisen zunächst auf eine Mittelhandschrift x x hin, denn schon
die allen 4 Hss. gemeinsame Vorlage hatte Fehler. Ich weiss
allerdings aus G. d’A. vorläufig nur folgenden anzuführen:
76] Am Anfänge unseres Gedichtes nennt Aymeri alle seine
Söhne nebst den Ländern, die sie beherrschen. Beuve de
Commarchis wird aber hier in keiner der 4 Hss. erwähnt.
Trotzdem fährt Aymeri fort:
N’a que Guibert remez en cest pai's ...
(A 240c 20; B 1 56d 20; C 152b 20; D 176a 20).
Demgegenüber wird A 247e5; B 169a 40; D 191c 28
(C fehlt), wo die 7 Söhne wieder aufgezählt werden, Beuve
ausdrücklich mitgenannt.
77] Auch A. Gundlach (A. u. A. IV, p. 147 No. 17 und
p. 159 No. 94; cf. auch p. 173) und L. Demaison (Introd.
p. LVIII f.) haben aus ihren Gedichten ähnliche allen 4 Hss.
gemeinsame Fehler beigebracht, während C. du Parc (Introd.
p. XXXVII f.) das Vorhandensein von mindestens einer Mittelhs.
für seine Manuscripte auf Grund von „traces evidentes d’un
meme remaniement“, die einige in den 4 Hss. enthaltene
Stellen deutlich tragen sollen, voraussetzt.
78] Wir würden für unsere Hss. also folgende Tabelle erhalten :
X
|
X 1
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23
II.
A u a 1 y s e.
Eine Analyse des 6. d’A., die aber, wie schon oben er-
wähnt (cf. No. 2) allzu knapp gehalten ist und auch verschiedene
Auslassungen und Ungenauigkeiten aufweist, nebst einigen
Bruchstücken von zusammen nur 69 Versen aus der Hs. B giebt
Paulin Paris, dem nur diese eine der 4 Hss. bekannt war,
in der „Histoire litteraire“ t. XXII (1852) p. 498 — 501.
Ich lasse hier darum eine ausführlichere Inhaltsangabe
folgen, indem ich dabei die Hs. A. zu Grunde lege, die, wie
wir aus vorausgehender Untersuchung ersehen können, die dem
Sinne nach beste Redaction bietet. Die Abweichungen der
3 anderen Hss. werde ich in den Anmerkungen anführen. —
79] A 240c 1; B 156dl; C 152b 1; D 176a 1.
Graf Aymeri weilt zum Osterfeste mit seiner Gemahlin
Ermengart in Nerbone. Hochbetagt gedenkt er auch sein
eignes Land als Lehen zu vergeben. „Aus ihrer hundert-
jährigen von Gott gesegneten Ehe seien ihnen 5 Töchter und
7 Söhne entsprossen, Neffen und Nichten besässen sie nicht
weniger als 66“, 1 ) so redet er seine Gattin an. „Garin sei
Herrscher von Anseüne, Guillaume von Orenge, Aymer „li
chetis in Spanien, 2 ) Bernart in Brubant, Ernaut endlich sei
Herr von Biaulande. 3 ) Alle ihre Söhne seien untergebracht,
nur Guibert, der jüngste und kleinste, sei noch unbelehnt.
Von ihren Enkeln seien Girart, Gui, Gautier de Termes nnd
Sohier du Place'is 4 ) in Orenge, Huon in Florivile, Guibert
und Guielin sowie Fouquere endlich, „Ki uers Tieb[aut] le fort
roi poestis Cmquist par force le destrier arraby “ (Ä 240 c
30-31; B 157a 16 — 17; C 152b 30—31; D 176a 30—31),
in Terascone.
„Wem sollen wir nun unser Land überlassen?“ so fragt
der greise Aymeri Ermengart um Rat. Diese glaubt es na-
J ) C 152b 12 zählt nur 56, D 176a 12 sogar nur 46 neveuz. —
2 ) P. Paris sagt Hist. litt. XXII, 498 : „ Aimeri le Chetif' 1 sei Herrscher
von „Tortose ou Tortelouse“, wovon in keiner unserer Hss. etwas erwähnt
wird.
3 ) Ernaut de Biaulande ist eine Verwechselung mit Hernaut de Gi-
ronde, wie er sonst in G. d’A. immer genannt wird. H. de B. gilt sonst
als Vater Aymeris de Narbonne.
4 ) B 157a 11: Soihier du Placeis ; C 152 b 25: Soef del Plant eis;
D 176 a 25: Soief do Plesets, —
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24
türlich Guibelin *) zusprechen zu müssen. Doch Aymeri wider-
setzt sich energisch diesem Vorschläge, da er Nerbone seinem
„filluel“, 2 ) dem Sohne des mächtigen Herzogs Tierri, zuge-
dacht habe, der ihm als Kind zur Erziehung anvertraut und
in der h. Taufe mit seinem Namen Aymeri belegt worden sei.
Denn, fährt er fort: „De ßllolage neent ne li promis. A lui
otroi Nerbone et le pa'is Dusqu’ ä Bordiaux et dusqu’ ä Motit-
Cenis, .1111. citez et chastiaux .xxxvi.“ (A 240d 6 — 9; B 157a
43— b2; C 152c 21— 24; D 176b 24— 27).
Die Contesse höchst erstaunt über ihres Gatten sonder-
baren Vorsatz glaubt, falls er ihn verwirkliche, Gewaltthaten
von seiten Guibelins gegen den jungen Aymeri erwarten zu
müssen. Doch der Graf tritt dieser Befürchtung mit der
scharfen Drohung entgegen, Guibelin des Landes zu verweisen,
wenn er sich seinem Willen widersetzen würde. „Ihm habe
er eine mächtige Herrschaft zugedacht : die lOOtürmige Stadt
des Heidenkönigs Judas, Andrenas, mit ihren 100 Marmor-
palästen. Die solle sich Guibelin erwerben und mit ihr die
Hand der bis an’s Rote Meer wegen ihrer Schönheit gepriesenen
Königstochter Augalete“. (A 240 d 49; B 157b 42; C 152d
19; D 176c 27.)
80] Als die Gräfin eben ihre Vorstellungen, Guibert doch
nicht einer solchen augenscheinlichen Gefahr unter dem wilden
Heidenvolke auszusetzen, geendet hat, betritt dieser mit einer
Schar von 1000 Rittern den Saal. Soeben ist er zurückgekehrt
von einem Kriegszuge gegen die Sarazenen in Spanien, deren
starke Stadt Tudele sie bezwangen, grosse Beute an Herden
und unzähliche Kriegsgefangene befinden sich in seinem Gefolge,
von seinem Vater wird er mit heissen Segenswünschen be-
willkommt. „Dir gebührt grosser Reichtum und die Herr-
schaft über Länder und Marken,“ so redet dieser ihn an,
„und es wird dir beides werden „se diex me beneie“.
Guibert lässt sich aber, als er auf sein Befragen den Namen
des Erben von Nerbone vernimmt, in seinem Zorne soweit
hinreissen, seinen greisen Vater zu schmähen, und Aymeri droht
ihn zu verstossen, falls er sich fürder widerspenstig zeige. Doch
Guibelin dadurch in nur noch grössere Wut versetzt, höhnt
weiter, indem er sich an seine Barone mit folgenden Worten
') Guibelin Diminutiv v. Guibert.
*) Die hierauf bezügliche Stelle in der Hist. litt. p. 498: „Cest ä
son filleul Aimeri, qu’il reserve son heritage“ bleibt ohne eine nähere
Erklärung, wie Aymeri zu diesem Patenkinde gekommen ist, unklar.
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wendet: „Oez baron, ee dist Guibers li ber, Comme mes peres me
veult desheriter ! A .i. estrange veult sa terre donner, Et si me
donne Andrenas sor la mer, Ou K[ar]l[e]m[aine] n’osa onques aler.
Viex est mes peres, si a son tams use, Mien escient .viii. xx . ') anz
a passez. De son palais ne se puet remuer, Sus .iiii. coutes le
couuient reposer Et oreilliers de soie et de cendel Et couuertoirs
qui sont gris et fourre. Tant de coussins couuient sus lui doubler,
Nes porroit on de .xx. mars acheter. Par deuant lui fet sa messe
chanter, Et puis se fet ä mengier aporter Grues etjantes et paons
empeurez; Tant en mengue, qu’il a cras les costez, Tout pour son
euer qu'il velt resuigourer. Adont, si dist, ie te voudrai mener
Tel, que paiens ne pwront endurer.“ (A 204fl6 — 35; B 157 d
27— 158a 2; C 153b 3—23; D 177a 20— 177b 1)
Aymeri verwünscht ihn aufs heftigste ob solcher Reden
und verheisst ihm das Gegenteil beweisen zu wollen : Er selbst
werde sich bewaffnen und gegen die Heiden mit ausziehen;
seine wackern Söhne und Enkel werde er zu diesem Zuge
entbieten, die ihn mit einer Heeresmacht von 50 000 2 ) Mann
unterstützen würden. Bevor 4 Monate verstrichen wären,
würde man auf dem Marsche nach Andrenas sein, nach deren
Einnahme Guibert die schöne Augalete heiraten und mit ihr
gekrönt werden solle.
Guibert durch diese Zusage völlig zufrieden gestellt und
mit seinem Vater wieder ausgesöhnt, verzichtet nun freiwillig
auf die Erbschaft von Nerbone zu Gunsten des jungen Aymeri,
und der alte Aymeri dankt ihm dafür. (A 241a 22; B 158 a
42; C 153c 19; D 177c 1.) —
81] Über die Nachgiebigkeit seines Sohnes höchst erfreut,
übergiebt er darauf Nerbone seinem Patenkinde mit der Mah-
nung, es gegen die Heiden wohl zu schützen; mit eigener
Hand erteilt er ihm den Ritterschlag, damit auch er an dem
Kriegszuge nach Spanien teilnehme; es finden dann auf einer
Wiese Ritterspiele statt. Bei dieser „quintaine“ legt der
„filleul“ Aymeriet eine solche Kraft und Gewandtheit an den
Tag, dass Aymeri, ganz entzückt davon, seine Barone um sich
versammelt und ihnen als den wahren Namen von Aymeriets
Vater den Karls des Grossen verrät. Alle kehren nach dem
Palaste zurück, Aymeri nochmals Guibert die baldige Er-
füllung seines gegebenen Versprechens verheissend. (A 241 c
7; B 158dl; C 154a 20; D 178a 20.)
') C 153b 9 n. D 177a 26 lesen, vii .xx.
2 ) D 177b 17 : 60 000.
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82] Im Palaste angelangt, giebt Aymeri seinen Boten Perron
und Elinant den Auftrag, Bernart von Brabant mit 10 000
Waffenträgern nach Nerbone zu entbieten, sowie Guielin,
Bertrant, Gautier de Termes, Guichart, Huon de Florivile
und Guibert de Terascone gleichfalls zu benachrichtigen.
Guinant und Achart sendet er zu Ernaut, „au felon rous“, nach
Gironde, um von ihm eine Hülfstruppe von 15 000 1 ) wohl-
ausgerüsteten Kriegern zu fordern. Noch selbigen Tages sind
die Boten zu Ross zu Ernaut geeilt und haben ihm den Auf-
trag überbracht, dem dieser gern zu folgen verspricht. Seinen
Seneschall Helye und Guinemant sendet der Graf zu gleichem
Zwecke nach Anseüne. (A 241 d 29; B 159a 32; C 154c 5;
D 178c 21.)
83] Unterdessen beruft Aymeri im Palaste die Barone zu
sich, um ihnen zu verkünden, dass man vergessen habe,
Guillaume von Orenge zu benachrichtigen; „ie meismes irai
por le baron *, ruft er aus. Joffroi von Anjou erhält den Befehl,
zu Buevon de Commarchis zu eilen, während Guibert Aymer
Je chetif“ aufsuchen soll. Guibert widerstrebt anfangs diesem
Aufträge, da er seinen Bruder nicht zu finden wisse, fügt sich
aber schliesslich dem ausdrücklichen Befehle seines Vaters.
Dieser selbst bricht am nächsten Morgen nach Orenge und
kurz nach ihm Guibert nach Spanien auf. Letzterer findet
Aymer 15 2 ) Meilen seitwärts von Balesguer, als er eben von
einem siegreichen Zuge gegen die Sarazenen zurückkommt,
bei dem er einen König gestürzt und 3000 Heiden vernichtet
hat. Nach herzlicher Begrüssung ziehen sie zusammen nach
Nerbone, wo Ermengart, durch einen Boten von Aymers Rück-
kehr benachrichtigt, ihm entgegeneilt und ihn mit zärtlicher
Umarmung empfängt. (A 241 e 23; B 159 b 35; C 154d9;
D 178 d 33.)
84] Mittlerweile ist der alte Aymeri auch in Orenge in
Guillaumes Palaste angelangt, wo er von seinem Sohne in
freundlicher Weise, aber besonders herzlich von Guiborc, dessen
Gemahlin, aufgenommen wird. Guillaume ist unwillig darüber,
dass sich sein Vater bei seinem hohen Alter noch einer so
anstrengenden Reise unterzogen hat. Er fragt ihn nach seinem
Begehr. Aymeri unterrichtet ihn von seinen Plänen. Guillaume
verspricht seinen Beistand. Bereits am nächstfolgenden Tage
steht ihm ein Heer von 20 000 3 ) Mann zur Verfügung. Guiborc
') D 178b 8: .x. mil.
2 ) B 159 b 22 zählt 16 Meilen.
s ) C 155a 31; D 179b 24: .X. M.
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erteilt ihnen den Segen. Unter Guillaumes und Aymeris
Führung ziehen sie über Arle, wo sie den Rhonefluss passieren,
nachNerbone. (A 241 f 43; B 159d20; C 155a 36; D 179b 29.)
85] So waren schon 3 Söhne Aymeris versammelt. Am an-
dern Morgen rückt auch Bernart von Brubant mit seinen
Scharen heran. Als Aymeri sie mit seiner Gattin und Guillaume
von den Fenstern des Palastes aus bemerkt, ruft er hoffnungs-
voll aus: „Mar i entrerent Sarrazin et Perssant. Se les trouons
sor Andrenas la grant, Maint en ferons couroucie et dolant,
Toute la terre penrons mien esc'ient, Si la donrai Guibelin mon
enfant Et Augalete o le cors auenant. S’il plaist ä dien le pere
roiamant, Bois sera de la terre.“ (A 242 a 6 — 13; B 159 d
36—43; C 155b 7— 14; D 179c 5— 12.)
Ein ähnlicher Herzenserguss fliesst von seinen Lippen, als
er Ernaut „o sa riche compaigne “ Nerbone zueilen sieht. Auch
Garin d’Anseüne, Guibert de Terascone, Gautier de Termes,
Sohier del Plantelz, 1 ) Huon de Florivile und Fouquere zeigen
sich in der Ferne; da drängt es den Grafen, seinen Vasallen
entgegenzureiten. Er begrüsst sie alle herzlichst und geleitet
sie nach dem Palaste. Die Truppen schlagen ihre Zelte vor
den Stadtmauern auf. Aymeri versammelt dann alle seine
Verwandten und Barone um sich, und Ermengart setzt ihnen
nochmals die Pläne ihres Gemahls auseinander. Sie ver-
sprechen einstimmig: „m li faudrons en trestout nostre ae".
Aymeri verheisst ihnen dankend guten Sold für ihre Dienste.
Die „ tresors “ werden herbeigebracht und unter allgemeinem
Jubel geht der Tag zur Neige. (A 242b 23; B 160b 19; G
155 c 35; D 180 a 3.)
86] Bei Anbruch des nächsten Morgens rüsten sich die Heere
zum Autbruch. Ermengart segnet sie ; 30 000 Mann stark
ziehen sie gegen Andrenas. Nach 8tägigem Marsche erreichen
sie Balesguer, eine mächtige, wohlbefestigte Stadt Spaniens,
die auf einem Felsen gelegen auf 2 Seiten von Flüssen, Far-
faigne 2 ) und Verbuant, 3 ) auf natürliche Weise gesichert ist.
Keine Brücke führt hinüber. Der Unkundige sucht vergeblich
nach einer Furt. In Farfaigne steht ein fester Turm zum
Schutze der Stadt, die niemand ohne Einbusse an Geld oder
>) B 160a 26: Soihier; C 155b 42; D 179d 4: Soef. cf. No. 79 Anm. 4
die andern Varianten dieses Namens.
2 ) Varianten: Fafanje, Falvaine, Farfaine und Farvainne.
*) Varianten: Briant, Bruiant, Brulant, Verbriant, Verbrie, Ver-
bruiant, Verbue.
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Leben betreten kann. (A 242c 1; B 160c 7; C 155d 22 ;
D 180 a 35.) ] )
87] Die Heiden, die den Turm besetzt haben, erfasst Schrecken,
als sie die Feinde, mit funkelnden Waffen angethan, gegen
Balesguer heranrücken sehen. Im Nu sind der König Bauduc
und sein Volk gerüstet; zu Ross stürmen sie durch die Ebene
den Franzosen entgegen. Aymeri erhält davon Kunde. Eilig
rüstet er sich, entbietet 3 seiner Söhne zu sich und spornt
sie zur Tapferkeit an. Dann fährt er fort : , Vo peres sui, tenir
me deuez chier, Et si sui uiex, ice ne puis noier. Fiera ne
fui en fort estor plenier, Tele heure vi que bien mi soi aidier.
Sor sarrazins me vueil hui essaier, Sauoir, se puis or mes armes
baillier; .1. petit dm ä vorn trestouz requier, Que sor paiens fiere
le cop premier.“ (A 242c 53 — d 7 ; B 160dl5 — 22; C 156a
30— 37; D 180c 13-20.)
Mit Freuden gewährt ihm Guillaume die Bitte. Aymeri
reitet gegen einen Heiden los und schleudert ihn vom Rosse
tot zu Boden. Auf seinen Schlachtruf „Nerbone“ hin setzt
sich das ganze Franzosenheer gegen die Sarazenen in Be-
wegung. Es entsteht ein blutiges Handgemenge mit bedeu-
tenden Verlusten auf heidnischer Seite. {A 242 d 36; B 161a
7; C 156b 22; D 180d 12.)
88] Mitten in dem Schlachtgetümmel tritt Corsuble, „.i. roy
desmesuri“ , Guillaume entgegen und fordert ihn mit überlegener
Miene zum Zweikampfe heraus. Guillaume erteilt ihm einen
so wuchtigen Schlag, dass er gespaltenen Hauptes zusammen-
bricht; Corsubles vielgepriesenes Ross übergiebt er seinem
Neffen Bertrant mit der Aufforderung, es statt des seinen zu
besteigen. Da sehen sich beide rings von Feinden umzingelt;
Guillaume jedoch vertraut auf seine Kraft und ruft Bertrant
zu: . . . ie et vous, se lez moi vous tenez, Desseuerrons la presse.“
(A 242 e 25 ; B 161b 5; C 156c 17; D 181a 15.)
89] Während diese beiden sich mit vereinten Kräften aus
der Feindesmitte herausschlagen, kommen auf der andern Seite
des Schlachtfeldes Aymeri, 2 ) Aymer und Ernaut in arge Be-
drängnis im Kampfe gegen Bauduc und sein Gefolge. Auf beiden
Seiten sind bereits viele Kämpfer gefallen. Da kommen Guillaume
J ) Abschnitt 81 — 86 sind in der Hist. litt. XXII, 500 zusammenge-
fasst in den wenigen Worten: „ L’armee , bientot reunie de toutes parts,
entre en Bspagne; les premiers engagements ont licu sous les murs de
Balesguez, aujourd’hui Balaguer , en Catalogne.“ Von dem „ adoube -
ment “ und der Belehnung Aymeriets mit Nerbone wird nichts berichtet.
2 ) D erwähnt den alten Aymeri nicht.
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und Bertrant den Ihren zu Hülfe. Auch Aymeri'et ist her-
beigeeilt und drängt sich zum Zweikampfe mit Bauduc vor.
Obwohl ihn sein Pate davor warnt, schlägt er doch im Ver-
trauen auf seine Kraft auf den Sarazenenfürsten los. Er
spaltet ihm zwar den Schild und zerhaut ihm die Rüstung, doch
zu töten vermag er ihn nicht. Aymeri, Aymer und Ernaut
beeilen sich dem ^fi lleiil “ beizustehen, der Heide entkommt
jedoch aus dem Knäuel durch die Furt nach dem jenseitigen
Ufer der Farfaigne. Aymeri'et ist seinem Gegner in einer
gewissen Entfernung gefolgt. Er erreicht den Fluss, kann
aber die Furt nicht finden. Mutig stürzt er sich in den
Strom, dessen Wellen über seinem Haupte zusammenschlagen.
Aymeri ruft, da er sein Patenkind in Gefahr glaubt, Gott um
Schutz für ihn an. Glücklich erreicht dieser das Land, nachdem
er sich von einem gewaltigen Schlage Bauducs, der ihm fast die
Sinne raubte, wieder erholt hat. Mit kräftiger Hand versetzt
er Bauduc einen wuchtigen Schwerthieb, sodass dieser die Flucht
ergreift. Aymeri'et, von der Verfolgung des Feindes nicht ab-
lassend, holt ihn endlich ein, da ihm das Ross unterm Leibe
zusammengebrochen ist. Schon ist er im Begriff, dem Heiden
das Haupt vom Rumpfe zu trennen , als Bauduc um Schonung
fleht und sich auf Gnade und Ungnade ergiebt. Aymeri'et lässt
ihn mit auf sein Pferd Marquant steigen, um mit ihm zum
Franzosenheere zurückzukehreu. Am Flusse angelangt, zwingt
er ihn unter Drohungen, ihm die Furt zu zeigen. So kommen
sie beide wohlbehalten vor Aymeris Zelte an, wohin die Barone
und Grafen zusammenströmen, um den gefangenen Heidenkönig
anzustaunen. (A 243a 44; B 161 d 42; C 157b 2 ; D 181 d 23.) 1 )
90] Aymeri sichert Bauduc das Leben zu und verspricht ihm
sogar sein Land zu lassen oder freien Abzug mit den Seinen
und 30 seiner besten Freunde zu gewähren, wenn er sich
zum Christentume bekehre und die Übergabe von Balesguer er-
mögliche. Bauduc entzückt von Aymeris Grossmut rät ihm,
um in die Stadt dringen zu können, zu folgender List: „Faites
en l’ost .C. cheualiers monier Ft vos buisines gresloier et soner !
Tres par deuant les pors de Balesguer Fetes ./. feu et .i. re
alumer, Si me fetes (!) ä laflame mener Et tout nuspiez sans chauce
et sanz souler! 2 ) Je ai .iij. filz qui tuit sont bacheier De ma
>) Abschnitt 87 — 89 ist in der Hist. litt. XXII, 500 in den paar
Worten: „Dans une de ees actions le roi Baudus tombe aux mains des
chretiens“ ausgedrttckt. Der Zweikampf Guillaumes mit Corsuble ist gar
nicht erwähnt.
2 ) C 157 b 40 liest hier: „Nu et nuz pie, sanz chauce, sanz soller“ ;
D 182 a 24: „Nuz piez, an langes, sanz chauce et sanz soler“. —
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motdlier qui molt fet ä loer. Desus les murs uenront por esgarder;
Et cuidiez-voits, qu’il puissent endurer, Que deuant eus me uoient
tormenter? — Nenil uoir, sire, ce vorn di sanz douter; Tost votis
feront la eite deliurer Et taut ice que saurez demander, Tont por
mon cors garantir et tensser “ (A 243b 25 —39; B 162a 32 — b 2;
C 157b 35— c 4; D 182a 19— 33.)
Aymeri befolgt diesen Vorschlag und erreicht in der That,
dass, ihm die Thore der Stadt geöffnet werden. Der König
Bauduc jedoch verlässt, anstatt sich taufen zu lassen, mit den
Seinen Balesguer, um sich mit Judas, dem Könige von Andrenas,
zu vereinigen. ')Die Franzosen besetzen die Stadt, metzeln
1000 Heiden nieder, während Aymeri mit seinen Baronen in
den Palast gestiegen ist. Traurigen Herzens verlässt Bauduc
sein Land; vergebens rufen in der Stadt die ihrem Unter-
gänge entgegensehenden Heiden ihn um Beistand an. Er eilt
davon, bis er nach 8tägigem Marsche zu seinem Vetter Bar-
baquant „ä la röche Arsis“ gelangt. (A 243c 34; B 162c 6;
C 157d 6; D 182c 5.)
91] Tief betrübt erzählt er ihm sein Missgeschick und fordert
ihn auf, nach Andrenas vorauszueilen und Judas die Unglücks-
botschaft zu überbringen. Der König Judas, traurig über die
Kunde vom Sturze seines Neffen, schwört Aymeri ewiges
Verderben zu. Auf Barbaquants Bitte eilt er Bauduc ent-
gegen und nimmt ihn und die Seinen nach herzlicher Be-
grüssung freundlichst in seine Stadt auf; Aymeri aber und
dessen ganzem Geschlechte verheisst er Rache.
In der Stadt angekommen lassen sich die Fürsten unter Je
pin verdoiant“ nieder; 4 „puceles“, Soline, Lunete, 2 ) Fauke, oder
auch Faukete genannt, und Augalete, Ja fille l’amirant “ , er-
scheinen. Die letztgenannte befragt Bauduc, ob Aymeri mit
seinen Söhnen und andern Verwandten gegen Andrenas heran-
rücken werde. Bauduc bejaht es und verkündet ihr zugleich
Aymeris Absicht, sie mit seinem Sohne Guibert zu vermählen.
P. Paris lässt Bauduc sagen (XXII, 500): „ Conduisez-moi en chemise
sous les murs de la ville.“ Hs. B, die ihm nur bekannt war, berichtet
nichts davon. Ebenso ist das folgende: „Faites mine de vouloir me
trancher la tete; aussitöt des messagers vous arriveront de la part de
ma femme Galiene et de mes fils . . zu frei gestaltet worden.
') Über das Folgende von hier an bis incl. Abschnitt 92 ist in der
Hist. litt, nichts erzählt als : Maitres de Balesguez, les Frangais poursuivent
leur route jusqu } ä Andrenas. P. Paris fährt daun fort : La se trouvaient
reumies toutes les forces des mecreants etc. Darauf werden die Kämpfe
unter den Mauern von Andrenas erzählt, (cf. No. 93 ff.)
2 ) C 158 a 11 wird sie Luce genannt, während sie v. 37 dann wie
in den andern Hss. Lunete heisst.
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Die „puceles“ eilen, als sie dies gehört, scherzend davon; an
dem Garten Corsubles machen sie Halt ; da erzählt ihnen So-
line folgenden Traum: „A nuit soniai .i. son ge mo/t pesant, Que
de Nerbfone] uenoit faux uolant; . VII. fauconcel le venoient
siuant; .1. en i ot merueillous et poissant, Augalete premit parmi les
flans, Une flourete li metoit el deuant.“ (A 243 d 53— e5; B
162d34— 39; C 158a 26-31; D 182d 39— 183a 5.)
Faukete ') weiss diesen Traum sogleich richtig zu deuten.
Sie sagt : . . . „ie sai ueraiemeut, Que dest Guibers, filz Ay[meri]
le franc, Qui Ja penra ä moullier uoirement.“ „Por celi songe,
dont tu m’as fei ioiant, Tien, ie te doim, le palazin liertrant,
Lunete aura Guielin le sachant, Faukete aura Girant le com-
batant; Bien vous ai mariees.“ (A 243e 6 — 13; B 162d 40 — 162*a
[fehlt; cf. No. 7 Anm.]; C 158a 32—39; D 183a 6-13.)
92] Am nächsten Morgen entbietet Judas seine Boten Galerien
„l’aufage“, Athenas und andere zu sich; er schwört bei Ma-
homet „et dymage u Aymeris Geschlechte den Untergang und
vergeudet die Zeit mit eitlen Prahlereien. Unterdessen nähern
sich die Franzosen eilends der Stadt Andrenas. Schon sind
sie fast bis an den Fluss herangekommen, da beruft Aymeri
eine Versammlung seiner Barone, um mit ihnen zu beraten,
wen man aussenden solle, die grossen Viehherden auf den
Wiesen vor der Stadt zu erbeuten und dem Heere zuzufiihren.
Aymeriet erbietet sich keck dazu; Guibert schmäht ihn des-
halb. — Das reizt den Zorn des alten Aymeri, der Guibert
antwortet: „Cuiuert, . . . diex te doint encombrier ; Vieus tu
dont ci ä mon filluel tencier? Ne fu il filz au duc Tierri le fiet'
Qui la moitie de France ot ä bailiier. Son home estes, ce ne
poez rüder, Droit li ferez par le cors SfaintJ Richier.“ (A 243 f
15—20; B 162*b 14— 19; C 158b 44— c 4; D 183b 31— 36.)
Der Streit wird geschlichtet; beide werden dazu bestimmt,
mit einer Schar von 100 Mann die Beute zu machen; zugleich
warnt Aymeri Guibert vor Gewaltthätigkeiten gegen Aymeriet.
Guibert verkündet seinen Freunden unter Thränen die ihm
angethane Demütigung und ruft aus: „Quens Ay[meris] nous
maine malement Por son filluel que il par aime tant.“ (A 243f
39—40; B 162*b38-39; C 158c 23— 24; D 183c 16— 17.)
Er teilt ihnen den ihm gewordenen Befehl mit, den sie dann
unter blutigen Kämpfen ausführen. Schon treiben sie das Vieh
J ) C 158a 32 und D 183 aß deutet Agaiete den Traum; beide Hss.
lesen infolgedessen dann: Qui (D: Si) me prendra Jedenfalls ist
diese Lesart die bessere wegen des unvermeidlichen aber ganz unver-
mittelten Redewechsels in A B. —
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.32
ihrem Heere zu, als sie plötzlich aus einem Hinterhalte von
einem heidnischen Riesenvolke überfallen werden und ihrer
Beute verlustig gehen. Gui, Bertrant, Gautier de Termes und
Girart geraten sogar in Gefangenschaft. Aymeri, davon be-
nachrichtigt, befreit sie mit Hülfe seiner Söhne und eines
•Trupps von 500 Mann, jagt die Riesen in die Flucht und ge-
winnt die Beute zurück.
Kaum haben sie diese zu ihren Zelten gebracht und ver-
teilt, als ihnen schon wieder neue in die Hände läuft. Aymeri
erblickt eine von 10 ’) „marcheans“ geführte Handelskaravane,
die auf 100 Lasttieren Gold und Silber nach Andrenas führen
wollen. Aymer, „qui onc n’ama Sarrazins ne Kscler “, allen voran,
stürmt auf sie los; die Kaufleute werden getötet; ihre Habe
wird nach den Zelten gebracht und verteilt. (A 244b 51 ;
B 163a 24; C 159b 11; D 184b 25.)
93] Des Nachts rücken die Franzosen so weit gegen die feind-
liche Stadt vor, dass sie dieselbe in der Frühe auf einem Felsen
vor sich liegen sehen. Aymeri rühmt sie als eine starke Festung,
deren Fall nur nach Einnahme des davor errichteten Turmes
möglich sei. Judas, der die Feinde mit ihren weithin fun-
kelnden Rüstungen heranmarschieren sieht, ruft sein Volk zu
den Waffen und legt ihnen die Verteidigung der Stadt warm
an’s Herz. Aymeri sendet Ernaut und Aymer unter Führung
Guillaumes, auf den er sein höchstes Vertrauen setzt, voraus,
um das vorliegende Gelände zu rekognoscieren, den Fluss zu
überschreiten und die Furt zu verteidigen. (A 244dll; B
163c 4; C 159c 37; D 184d 19.)
94] Guillaume verbirgt sich mit 3000 Mann in einem Obst-
garten jenseits des Flusses. Nachdem er seine Rüstung in
Ordnung gebracht hat, steigt er auf eine Anhöhe und fordert
die Heiden zum Kampfe heraus. Die Damen im Palaste fragen
sich neugierig nach dem Namen des mit so glänzenden Waften
ausgerüsteten Christen. Bauduc belehrt sie : „Ce est Guill [aurnes] ,
ie l’ai bien auise, Cil au court nes au corage adure, Filz Ay[meri],
le viel chenu barbe Qui tant paiens a vaincu et mate; Que ie le
oi el fort estour champe Souz Balague, l’amirable eite, Font
Franc [ois] m’ont ä tort desherite.“ (A 244d 34 — 40; B 163c
27—33; C 159d 19—25; D 185a 7—13.) — Augalete gedenkt
daran anknüpfend Guiberts.
Inzwischen lässt Aymeri seine Belagerungsmaschinen unter
dem Turme Argoline aufstellen. Durch vier geschlagene
0 B 163a 14 liest allein: „.xx. marcheans.“
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Breschen dringt eine grosse Schar ein. König Margot, der
sich mit 1000 Heiden ihnen entgegenstellt, wird nach heftigem
Kampfe mit grossen Verlusten auf seiten der Franzosen über-
wältigt und getötet. Argoline wird genommen. In einem Ge-
wölbe fiuden sie die aus Gold und Silber gefertigten Figuren
Mahomets und Tervagants, die sie zerstückeln und unterein-
ander verteilen. Fünf 1 ) aus dem Gemetzel entronnene Sara-
zenen eilen zu Judas, der, als er die Nachricht von der Ein-
nahme des Turmes und der Zertrümmerung der heidnischen
Götterbilder erhält, fast in Verzweiflung gerät. Nur mit Mühe
vermögen ihn die Boten davon abzuhalten, dass er Hand an
sich legt. (A 244 f 15; B 164 a 28; C 160b 21; D 185c 18.)
95] Grosse Freude herrscht in Andrenas, als bei Anbruch
des nächsten Tages König Malagu mit einer starken Heeres-
macht den Bedrängten zu Hülfe kommt. Judas erzählt ihm
von Guillaumes Herausforderung, die Malagu ungesäumt an-
nimmt. Noch selbigen Tages verheisst er ihnen, „le chief
de lui . . . aporter“, und Augalete verspricht ihm ihre „tresors“
dafür. Bauduc will ihm beistehen, was Malagu billigt. Beide
rüsten sich und sprengen zum Thore hinaus Guillaume ent-
gegen. Dieser ruft, als er sie von Ferne erblickt, Gott um
Schutz an, besteigt schnell sein Ross und stürmt auf sie los.
Malagu sinkt tätlich getroffen zu Boden. Bauduc wendet sich
zur Flucht. Die Heiden in der Stadt fordern ihn, als sie ihn
bemerken, unter Verwünschungen auf, den Tod Malagus zu
rächen. Beschämt kehrt er um. Es folgt ein Zweikampf, in
dem Bauduc nahe daran ist zu unterliegen; doch entzieht er
sich seinem Verderben durch die Flucht. Guillaume folgt ihm,
Bauducs Ross strauchelt und fällt ; er flieht „Um eslaissiis“ zu
Fuss weiter. Der Graf ergreift das Ross und schickt sich an,
zu den Seinen zurückzukehren. Da stellen sich ihm 5 Heiden
in den Weg. Dem ersten schlägt er das Haupt ab, die an-
dern vier bringt er kämpfend bis an die Furt, wo die Seinen
in einem Hinterhalte liegen. Diese dringen mit ihren Scharen
vor, während von feindlicher Seite Judas mit 100 000 2 ) Mann
entgegenrückt. Die grosse Schlacht beginnt (A 245 c 19;
B 165a 15; C 161b 23; D 186c 36.) 8 )
!) C 160b 1 ff.; D 185b 36 ff. erzählen nur von 1 Sarazenen.
2 ) C 161b 20; D 186c 33 zählen .X. mile.
s ) Die Einnahme des Turmes von Andrenas ist in der Hist. litt, nicht
erzählt. Absch. 91— 95 ist (p. 500) zusammengefasst in den Worten: Dans
un de ces combats, Guillaume, apres avoir fait merveilles, parvient ä
yrand’peine ä se degager du milieu d’une troupe nombreuse.“
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96] Judas kämpft mit Guillaume, wird besiegt und wäre
getötet worden, wenn ihn nicht im letzten Augenblicke 70
Heiden aus seiner Bedrängnis befreit hätten. Sie alle wenden
sich zur Flucht, der König an ihrer Spitze. Seinen Leuten
ruft er zu: ... . „cheuauchies aitant! S’ä Andrenas estoie el
palais grant, N’en isteroie iamte en mon uiuant.“ (A 245 c 42 — 44;
B 165a 38— 40; C 161c 6— 8; D 186d22— 24.) In Andrenas
angelangt, schliessen sie die Thore hinter sich, während sich
noch 500 x ) Sarazenen ausserhalb der Stadt befinden, die den
Feinden zum Opfer fallen.
Mit Beute beladen kehren die Franzosen zu ihren Zelten
zurück. Aymeri empfängt Guillaume mit den Worten: „Sire
G [uillaumes] , com esploitie auee? Ou sont li turc que vom nous
amenez? Se uom auez prison, si le rendez!“ (A 245 d 8 — 10;
B 165b 12— 14; C 161c 25— 27; D 187a 3— 5.)
Guillaume, wütend ob dieser höhnischen Worte, antwortet
seinem Vater in derselben Art und Weise. Der alte Aymeri,
der sich stolz seiner Thaten rühmt, lässt sich dadurch zu
heftigen Ausdrücken gegen seinen Sohn verleiten. Dieser lenkt
ein, doch Aymeri, in seinem Ehrgefühl tief gekränkt, verspricht,
schon am folgenden Morgen eine Probe seines Mutes zu geben.
Guillaume erwidert noch: . . . „or verrons que ferez; Fox est
qui se uante und der Streit ist beigelegt. (A 245 d 42; B
165c 2; C 161d 13 ; D 187 a 37.)
97] Die Nacht bricht herein; jeder begiebt sich in seine
„herbergerie“ . Nur Aymeri rüstet sich und verlässt zu Ross
bei hellem Mondscheine das Lager. Von Ferne erblickt er
Brulant und Achinart, „die mit einer Abteilung Sarazenen
Andrenas gegen einen Überfall schützen wollen. Von ihnen
ungesehen gelangt er durch die Furt nach dem andern Fluss-
ufer. Er reitet die Anhöhe hinauf, „si com il ot Guill[aume]
couuenant“. Da beginnt es zu tagen. Als Aymeri sein Horn
zweimal laut ertönen lässt, rufen Achinart und Brulant aus:
„Ce sont Franc [ois] qui sonnent V olifant; Qa est uenus par le mien
esciant Quem Ay[meris] o le grenon ferrant Et si ami et si apar-
tenant ..." (A 245e 25—28 ; B 165 c 38—41 ; C 162a 33—36 ;
D 187 b 37 — c 1) und ergreifen die Flucht.
Aymeri fordert die Feinde zum Kampfe heraus. Judas
tadelt die Furcht seiner Barone vor einem Franzosen und
fordert sie auf, ihm entgegeuzutreten. Endlich erbietet sich
Gaben, mit Baufume, 2 ) Abalafre, Bruiant und Magaris dazu.
*) C 161 c 12 und D 186d 28 zählen .c.
2 ) C nennt sie 162 b 20 — 21: Agolafre, Braimant und Margariz. D hat
187 c 23 — 24 dieselben Lesarten wie C bis auf „Briemanz“ statt „ Braimant
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Sie bewaffnen sich und reiten gegen Aymeri los, der, als er
sie gewahrt, zu Gott fleht: „Garissies mot de mort et de tor-
ment.“ *) Der Kampf entspinnt sich. Galien bleibt als erster
von ihnen auf dem Schlachtfelde. Bruiant, der Galien nicht
für tot hält, feuert ihn vergebens an, sein Ross von neuem
zu besteigen. Auch er und die 3 übrigen 2 ) fallen. (A 246a
48; B 166b 35; C 163a 19; D 188b 22.)
98] Mit gespaltenem Schilde, das Panzerhemd „desrout et
desmaillie“, ist Aymeri auf dem Rückwege zu den französischen
Zelten begriffen, als er an der Furt von einer 100 3 ) Mann
starken Heidenschar überfallen wird. Sein Pferd wird ihm
unterm Leibe getötet. Immer dichter wird der Knäuel. Wacker
verteidigt er sich nach allen Seiten hin. Sein Schwert ist
ihm bereits zerbrochen, sogar sein Horn ist in Stücke ge-
gangen. Waffenlos sucht er nach einem Ausgange aus der
Feindesmitte. Inbrünstig bittet er Gott um Hülfe. Noch er-
schlägt er 4 Sarazenen mit den Steigbügeln, die er aus dem
Sattel gezogen. Da befreit ihn Bauduc aus seiner bedrängten
Lage. Mit lauter Stimme rät er Aymeri, sich gefangen zu
geben, und versichert ihn seines Lebens aus Dankbarkeit für
die ihm bei der Belagerung von Balesguer erwiesenen Wohl-
thaten. Der Graf ergiebt, sich, und unter Corsolts Schutze
wird er nach Andrenas geleitet. Judas äussert grosse Freude,
als er von Corsolt den Namen des Gefangenen vernimmt.
Höhnisch redet er ihn an: „Ay[meriJ sire, comment vous contenez?“
„Molt richement“, antwortet jener und fügt hinzu: „Et comme eil
cui est ceste cites?“ Judas entgegnet gereizt: . . . „Molt petit
i aiiez, Je vom ferai iä les membres coper, Ardoir en feu et en
poudre uenter.“ (A 246 c 30 — 35; B 166 d 35 — 40; C 163c
28 — 33; D 188d 36 — 189 a 1.) Auf Bauducs Fürsprache hin,
der ihn vom Tode zu retten gedenkt, wird er einstweilen in
einen Turm, 4 ) dessen Pracht gerühmt wird, in Gewahrsam
gebracht. (A 246c 43; B 167a 4; C 163c 41; D 189a 9.)
99] Hier findet er die schöne Augalete mit ihren Jungfrauen,
„qui la durent gar der,“ versammelt. Bald sind Schachbrett
und Tische herbeigebracht, um den alten Grafen zu erheitern,
der seine Rüstung ablegt und sich mit den „puceles“ zum
Spiel niedersetzt. So verbringen sie die Stunden bis zum
Abend. Da steigt in Augaletes Sinn der Gedanke auf, Aymeri
') Das Gebet Aymeris ist in C (C 162 c 6 ff.) länger als in ABD.
2 ) A und B erzählen den Tod des dritten der 5 Heiden nicht, cf. No. 17.
») C 163a 29; D 188b 32: ,M.
4 ) D 189a 9 liest: chanbre.
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zu retten, um dann Guibert zum Gatten zu erhalten. Tag
und Nacht sinnt sie darüber nach, wie sie ihren Plan, von dem
sie auch Aymeri Mitteilung macht, ausführen könne. Er,
darüber hoch erfreut, verspricht ihr zum Danke dafür seinen
Sohn als Gemahl, mit dem sie gekrönt das Land ihres Vaters
beherrschen solle. Augalete rät ihm, sich in dem uneinnehm-
baren Turme zu verbarrikadieren, und bringt ihm Waffen
herbei. Aymeri rüstet sich, verrammelt die Eingänge und
hängt, „por bien auiser“, ein französisches Feldzeichen zum
Fenster hinaus.
Judas, durch einen Boten vom Geschehenen benachrichtigt,
eilt zum Turme, den er verschlossen findet. Er bittet seine
Tochter, ihm zu öffnen, doch sie spiegelt vor, in Aymeris
Gewalt zu sein, der die Schlüssel in seinem Besitz habe.
Wütend ruft er ihr da zu: „Vos fustes fox, ne vous quier ä
celer, Quant le feistes ga dedenz osteier ; Or poez vous ueoir et
esprouuer Ce que l’en seult et dir et confer •, Qu’en sa meson seult
l’en tel osteier Qui en la fin le fet tost hors bouter.“ (A 246 d
51— e 3; B 167b 20 — 24; C 164a 20— 25; D 189b 30 — 35.)
Aymeri, der Verwünschungen müde, die der Heidenkönig gegen
ihn ausstösst, vertreibt ihn vom Turme dadurch, dass er einen
gewaltigen Stein hinabgleiten lässt, der, wenn er Judas ge-
troffen, ihn sicherlich getötet hätte. Als Judas einsieht, dass
er nichts zu erreichen vermag, legt er sich zur Ruhe nieder.
Doch der Schlaf meidet ihn; unter Wehklagen bringt er die
Nacht hin. (A 246e 14; B 167b 35; C 164a 37; D 189c 7.) 1 )
100] Im Heere der Franzosen sucht man vergebens nach
Aymeri. Niemand vermag Auskunft über seinen Verbleib zu
geben. Aymer rüstet sich und reitet in Galopp nach Andrenas
hin. Unterwegs findet er seines Vaters Ross, darauf sein zer-
brochenes Horn ; und schon hält er ihn für tot. Von Schmerz
und Rachbegier erfüllt, eilt er die Anhöhe hinauf und fordert
mit vernehmlicher Stimme die Feinde zum Kampfe heraus.
Da auf einmal erblickt er das Feldzeichen am Tnrmfenster,
und es wird ihm klar, dass Aymeri sich im Turme befindet.
Flugs kehrt er zu den Zelten zurück und verkündet den Ba-
ronen, was er gesehen. Sofort machen sich alle zum Sturme
auf Andrenas bereit. Auch die Heiden bewaffnen sich und
erwarten auf den Mauern der Stadt den heranrückenden Feind.
*) Abscbn. 97 — 99 giebt P. Paris (p. 501) in (len wenigen Zeilen
wieder: Le lendcmain, le bon Aimeri se fait retenir prisonnier des Sar-
rasins, et ne doit la nie qu’ä l’intervention du roi Baudus et ä la trahison
de la belle Gaiete ou Augalete.“
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Von neuem tobt die blutige Schlacht. Die Franzosen nähern
ihre Maschinen der Stadtmauer, und das Zerstörungswerk be-
ginnt. Viele Christen werden durch Steine und andre von
Feindeshand geschleuderte Wurfgeschosse getötet. Die Grafen
Guillaume und Aymer feuern ihre Leute zum Angriffe an.
Hier haben sie bereits, wenn auch mit grossen Verlusten, die
Mauer erstiegen, während dort eine ganz bedeutende Menge
durch 4 Breschen in die Stadt eingedrungen ist. In wilder
Hast eilen sie zu den Thoren, um die Zugbrücken niederzu-
lassen, über die dann Guillaume und seine Barone hinein-
stürmen. —
Als Aymeri die Seinen in der Stadt weiss, öffnet er den
Eingang des Turmes und stürzt sich in das Schlachtgetümmel;
Augalete hat er im Turme eingeschlossen zurück gelassen.
Da erblickt er den König Bauduc, den Guillaume, Guibert und
Aymer verfolgen. Mit lauter Stimme ruft er seinen Söhnen
zu: . . . „ Seignor ; ne l’occ'iez, Car, s’il ne fust, mort fusse et
afolez.“ (A 247a 18— 19; B 168al3 — 14; C 164d 19— 20;
D 190b 9— 10.)
Bauduc ergiebt sich Aymeri und verspricht, sich und die
Seinen taufen zu lassen; der Graf, darüber hoch erfreut, ver-
sichert ihn seines Schutzes und der Rückgabe von Balesguer.
(A 247a 37; B 168a 32; C 164d40; D 190b 30.)
101] Der König von Andrenas ist mit mehr als 100 seiner
Leute in einen starken Turm geflohen ; die Zugbrücken haben
sie emporgezogen und dadurch eine grosse Zahl von Heiden
den Franzosen preisgegeben, die mordend bis zum Turme
Vordringen. Aymeri fordert Judas auf, sich zum Christentuiüe
zu bekehren. Judas aber erwidert: .... „Nul talent ne m’en
prent, Car Mahons est de grant efforcement ; Nel gerpiroie por
tout l’ar d’ Orient, Et se vous plest, fades moi .i. couuent Que par
anior vous requier et demant: „Vez ceste tour qui est et haute et
grant! Je saudrai ius, s’il vos uient ä talent; Se Mah[omez] me
veult estre garant, Que ie n’i aie mal ni encombrement, Vos m’en
lairez aler sain et viuant Fors du roiaume et sanz encombrement
(A 247b 2— 12; B 168b 6 — 16; C 165a 18— 28; D 190c
15—25.)
Aymeri und seine Barone gestehen ihm das Gottesurteil
willig zu. Der Heidenkönig ruft Mahomet um seinen Bei-
stand an und springt in vollem Vertrauen auf ihn vom Turme
herab. Zerschmettert bleibt er am Boden liegen. Die übrigen
Heiden erkennen daraus die Ohnmacht Mahomets, den sie
verwünschen, und versprechen sich zu bekehren. Sie verlassen
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deo Turm und empfangen sogleich mit Bauduc und dessen
Weibe die Taufe. Dieser erhält sein Land zurück und wird
Vasall Guiberts, den Aymeri mit Andrenas belehnt.
Acht Tage verweilen die Franzosen noch in der Stadt.
Augalete wird Christin und mit Guibert vermählt. Beide
werden gekrönt, und unter grossem Jubel wird die Hochzeit
gefeiert, bei der Guibert und Aymeri sich durch Freigebigkeit
hervorthun. (A 247 c 42; B 168 d 11; C 165 c 16; D 191a 34.)
102] Am neunten Tage brechen die Franzosen wieder nach
Nerbone auf. Guibert bleibt als König von Andrenas im
Lande. Schweren Herzens sieht er seine Anverwandten von
sich scheiden. Seine Mutter Ermengart, „que il a tant amte*,
lässt er grüssen. Guibert begleitet sie noch ein grosses Stück
Weges 1 ), bis ihn sein Vater zur Umkehr mahnt. Nachdem
ihm Aymeri noch 1000 „ cheualiers u und 2000 „serjanz“ über-
lassen und ihm auf seine Bitte hin gestattet hat, Guielin,
Bertrant, Gautier de Termes, Guichart, 2 ) Huon de Florivile,
Girbert 3 ) de Terascone und Fouquere zurückzubehalten, trennen
sich die Parteien.
Aymeri und seine Truppen passieren Balesguer, 4 ) wo sie
Bauduc zurücklassen. Als sie endlich in Nerbone anlangen,
werden sie von Ermengart in zärtlicher Weise begrüsst. Doch
sie vermisst ihren jüngsten Sohn. Aymeri verkündet ihr
darauf: „Dame, fet il, il est et sain et vis Et sires estd’un molt
riche pai's; Cest d’ Andrenas, la eite seignori, Et tout le regne que
nous auons conquis. Prise a Gaiete la bele o le cler vis; Salus
ms mande li cheualiers har dis. “ (A 24 7 d 40 — 45 ; B 169 a 22 — 27 ;
C 165dl8— 22; D 191c 10-15.)
Hierauf bereitet ihnen Ermengart ein grosses Freuden-
fest und beschenkt sie mit „rohes et mantiaus vairs et gris “ . 5 )
Acht Tage dauert dieser Jubel; dann kehren die Ritter in
ihre Heimat zurück. Die Söhne Aymeris verabschieden sich
von ihrem Vater, der mit Ermengart, dem „filluel de cui il fu
seruis“ und „molt poi de lor amis“ in Nerbone verbleibt. 6 )
(A 247e 10; B 169b 1; C 166d38; D 191c 33.)
! ) AB: lieuee; C D : iornee,
2 ) C 165 c 43 hat Girart,
3 ) D 191b 27: Guibert .
4 ) Fehlt in C.
5 ) Dies bleibt in C unerwähnt.
6 ) Am Schlüsse seiner Analyse (p. 501) bricht P. Paris plötzlich die
ausführlichere Erzählung ab und erwähnt nichts von den Kämpfen um die
Stadt Andrenas vor der Belagerung und Erstürmung der Mauern. (Abschn.
100.) Der Rest der Chanson (Abschn. 101 — 103) ist in nur 5 Zeilen er-
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103] So vergehen 5 bis 6 Jahre, 1 ) in denen die beiden Alten
kaum einen ihrer Söhne zu sehen bekommen. Aymeri wird
mit jedem Tage schwächer und hilfloser, „car plus auoit de
.vij.xx. anz et .x“, bis er schliesslich ganz an’s Lager ge-
fesselt ist. Ermengart ist deshalb in tiefer Trauer und grosser
Besorgnis um sein Leben. Noch dazu ist das Land in Gefahr,
da der König Looys von Frankreich von einem seiner re-
bellischen Vasallen, Huon Chapet 2 ), hart bedrängt ist und
Gefahr läuft, vom Throne gestürzt zu werden. —
III.
A. Anspielungen an verschiedene Chansons de geste.
104] Der Verfasser des G. d’A. scheint nicht nur mit älteren
Chansons desselben Cyklus, sondern auch mit demselben fer-
nerstehenden Dichtungen gut bekannt gewesen zu sein oder
wenigstens von deren Sagenstoffen einige Kenntnis gehabt zu
haben. Das beweisen Anspielungen an uns noch erhaltene
Epen sowie an ein Gedicht, dessen frühere Existenz wir voraus-
setzen dürfen.
zählt. Er sagt darin: } ,Aimeri . . . confirme le don de Narbonne ä scm
neveu (?), du consentement de tous ses enfants.“ Hiervon wird jedoch
weder in B noch in A C D etwas berichtet.
*) B 169b 2 lesen wir: . . . Aj. ans tous acomplis ....
B bricht hier mit folgenden Worten die Erzählung ab: „D’euls vous
lairai , plus n’en ferai deuis, Une autre fois y serai reuertis , Car bonne
est Vistoire .“ (B 169 b 4 — 6.)
Es folgt dann eine Tirade von 15 Versen (B 169 b 7 — 21), die auf
die Fortsetzung der „Enfances Vivien w überleitet. Wir finden sie abge-
druckt p. 47 der Ausgabe der E. V. von C. Wahlund und H. v. Feilitzen.
Upsala-Paris 1886. —
2 ) Ludw. IV. (Transmarinus, d’outre mer), Mitte d. 10. Jahrhunderts ;
wurde von Hugo von Francien (Hugo Capet, 987 zum König ausgerufen,)
bedrängt.
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105] Bereits Couraye Du Parc (cf. Introd. IX) und Demaison
(cf. Introd. p. CGXI ff.) haben Anspielungen an eine Legende über
einen „Aymer le Chetif angeführt. Du Parc sagt: „II en est
de meme pour les mentions frequentes dans notre chanson des
aventures d’Aimer le Chetif en Espagne ; on sait qu’il a existe
sur ce personnage toute une legende que nous connaissons
seulement par des allusions assez vagues d’autres chansons
de geste.“
Auch im G. d’A. finden wir solche Anspielungen an eine
Chanson, in der Aymer die Hauptrolle gespielt haben muss.
Es wird darin etwas Näheres über seine Gefangenschaft be-
richtet worden sein, die ihm den Beinamen „le chetif* ver-
schaffte.
a) Gleich am Anfänge unseres Gedichtes, wo die Söhne
Aymeris und die Länder, die sie beherrschen, genannt werden,
heisst es:
„Et en Espaigne Aymers li chetis . .
(A 240c 17; B 157a 3; C 152b 17; D 176a 17.)
b) A 241 d 46; B 159b 5; C 154c 23; D 178d2 wird
Guibert von seinem Vater abgeschickt
„. . . querre le chetif Aymer“,
und es heisst dann A 241e 11 ff.; B 159b 23 ff.; C 154c 41 ff. ;
D 178d 20 ff:
Trouua Guibers le chetif Aymer Desconfit ot .i. roi felou Escler,
Qui repairoit d’une terre preer; .iij.M. paiens i ot fet deu'ier.
c) A 247 e 6; B 169a41; C 165d34; D 191c29 heisst
es endlich von ihm, nachdem von den andern Rittern erzählt
ist, dass sie in ihre Heimat zurückgekehrt sind:
Et en Espaigne (sc.: uet) Aymers li chetis.
Aymer wird auch sonst noch verschiedene Male in unserm
Epos mit diesem Beinamen „li chetis “ belegt, den er auch
in andern Chansons, wie S. d. N. (cf. Gautier IV, 330), Al. b
(v. 2601 u. 4178), Aym. (v. 4590), Mt. A. (v. 547, 592,
1384) etc. führt.
Es folgen nun Anspielungen an noch erhaltene Gedichte :
106] Le Departement des Enfans Almeri.
a) A 240c 14 ff; B 156dl4ff.; C 152b 14 ff; D 176a,
14 ff. lesen wir :
„A Ansettne, cel estrange pais, Et en Espaigne Aymers li chetis,
Est .i. miens filz, Garins li poestis, Et k Brubant est Bernars li flouris,
Et k Orenge QtwiWaumes li marchis, Et k Biaulande Ernaus li poestis.“ *)
J ) Über die Verwechselung Emauts de Gironde mit Ernaut de Beau-
lande cf. No. 79 Anm. 3 u. No. 108.
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Bueves de Commarchis ist hier vergessen, wird aber am
Schlüsse unserer Chanson, wo von der Rückkehr der Barone
in ihre Länder die Rede ist, ausser in C mit erwähnt. Diese
Anspielung steht:
b) A 247 e 1 ff. ; B 169a 36 ff.; C 165d30tf.; D 191c
24 ff. und lautet:
A Ansettne est Garins reuertis, Et il Orenge Guillaumes li marchis, 1 )
Et Brubant uet Beruars li iloris, Et en Gascoigne Bueues de Commarchis,
Et ät Gironde uet Ernaus li*hardis, Et en Espaigne Aymers li chetis. *)
In dem „Departement des Enfans Aimeri“ wird erzählt,
wie die Söhne Aymeris mit Ausnahme Guillaumes und Aymers
in den Besitz dieser Länder gelangen. 1 ) (cf. Gautier IV,
318—319.)
107] Siege de Narbonne.
a) A 240c 20-21; B 157 a 6- 7; C 152b 20— 21 ; D 11 6a
20 — 2 1;
N’a que Guibert remez eil cest pa'is Que en la crois inistrent li sarr[azinj.
und b) A 240c 37— 41; B 157a 23— 27; C 152cl — 5; D
176b 4— 8:
„Sire, fet eie, Guibelins le hardis Por ce qu’en crois fu traueilliez et
Le doit auoir, par foy le vous pleuis, inis
C’est le plus iosnes si est li plus petis, El despit dieu, le roy de paradis.“
Diese beiden Stellen beziehen sich auf die Kreuzigung
Guibelins (Guiberts) im S. de N. (cf. Gaut. IV, 327.):
Während des Kampfes vor den Mauern Narbonnes ist der
junge Guibelin in der Stadt zurückgelassen worden. Von
einem unwiderstehlichen Thatendrange getrieben eilt auch er
hinaus auf das Schlachtfeld, wird aber sofort gefangen ge-
nommen. Furchtsos weilt er im feindlichen Lager, und ver-
gebens suchen ihn die Seinen. Nach dem Zweikampfe Roumans’
mit Gadifer, in dem letzterer unterliegt, hat Aymeri eben von
der Höhe der Mauer herab einen Heiden durch einen Pfeil-
schuss getötet, da plötzlich — erblickt er seinen jüngsten
Sohn, den die Sarazenen an’s Kreuz geschlagen haben. Wie
ein Wahnsinniger stürzt er aus der Stadt, gelangt zu dem
Kreuze und befreit Guibelin aus seiner qualvollen Lage. (Gaut.
. 325 ff.)
c) Eine andere Anspielung an den S. d. N. finden wir
A 241 f 15— 16; B 159c 36— 37; C 155a 8— 9; D 179b 1—2,
wo von Augalete gesagt wird, sie sei:
„Niece Clargis, le neueu l'amire, Qui ä, Nerbowe recut crestiente.“
') Über die Erwerbung von Orenge durch Guillaume cf. No. 109,
über die Spaniens durch Aymer cf. No. 105.
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42
Nachdem im S. d. N. die Heiden durch Gnillaume nach
der letzten Schlacht vor Narbonne in die Flucht geschlagen
worden sind, wird Clargis unter grossem Jubel und glänzenden
Festlichkeiten zugleich mit dem Arzte Fourre in Narbonne
getauft, (cf. Gaut. IV, 331.)
108] Couronnement Looys.
a) A 242d 42; B 161a 13; C 156b 28; D 180d 18:
„Ou es alez Guillawme» au court nez?“
und b) A 244d34— 35; B 163c 27— 28; C 159d 19— 20; D
185 a 7—8:
„Ce est GmWaumex Cil au court nes au corage adure.“
Es spielen diese beiden Stellen an das Co. Lo. an, wo
Corsolt im Zweikampfe mit Guillaume jenen berühmten Schlag
führt, der dem Marquis den Beinamen „au court nez“ bei-
bringt. (cf. Co. Lo. v. 1035 ff. u. 1158 ff.) —
V. 122 ff. wird im Co. Lo. erzählt, wie Guillaume den
Verräter Hernaut, der Looys enterben wollte, tötet.
Im G. d’A. nun findet sicli nicht nur eine Verwechselung
von Hernaut de Gironde mit Hernaut de Beaulande (cf. No. 79
Anm. 3 u. 106 Anm. 1), sondern auch des ersteren dieser
beiden mit dem Verräter Hernaut. Wir lesen G. d’A. A
241c28— 31; B 158d22— 25; C 154a41-44; D 178d3— 6:
„Droit ä Gironde en irez la eite, Au felon rous qui tant a de fierte.“
Dites Eriiaut le vassal adure,
Dies ,/elon “ passt durchaus nicht zu den Epithetis, wie
wir sie hier einen Vers vorher und auch sonst im G. d’A. bei
Ernaut finden : „li membruz“ , „ poeste/s frans ientils “ u. s. w.
(cf. hierzu Gaut. IV, 341 Anm. 3 und 508.)
109] Prise d' Orange.
a) A 242 d 44; B 161a 15; C 156b 30; D 180d 20 sagt
Corsuble zu Guillaume:
„Le roi Tiebawtf as tu deskerit6. w
b) A 244d43— 44; B 163 c 36—37; C 159d28— 29; D
185a 16 — 17 heisst es von Guillaume:
„Au roi Tiebawtf fist itele vilte, Qu’il li toli sa femme et sa cit6.“
Auch sonst wird Guillaume im G. d’A. als Herrscher von
Orange genannt (cf. No. 84 etc.). Unser Dichter kannte also
sicher die „Prise d’Orange“, wo Guillaume durch eine List
in die Stadt eindringt, sich der Liebe Orables, der Gemahlin
Tiebauts, versichert und schliesslich nach Einnahme von Orange
die Herrin heiratet, die dann in der Taufe den Namen Guibor
erhält, (cf. v. 1872.)
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110] Aliscans.
Der Vers A 242 d 43; B 161a 14; C 156b 29; D 180d 19:
„Mort as mon oncle dont ie sui airiez,“
von Corsuble zu Guillaume gesagt, bezieht sich vielleicht auf
die Tötung Haucebiers, des Onkels von Corsuble, durch Benoart
in Aliscans. 1 ) Es liegt dann entweder eine Verwechselung
Guillaumes und Renoarts vor, der in des ersteren Dienste
stand, oder Corsuble zieht eben deswegen den Grafen für
Renoart zur Rechenschaft.
111] Foulque de Candie.
a) A 240c 29—31; B 157a 15—17; C 152b 29—31; D
176a 29— 31:
„Et Fouquerez li preuz et li hardis Conquist par force le destrier arraby.“
Ki uers Tiebauf, le fort roi poestis,
b) A 242a 42— 43; B 160a 28— 29; C 155b 44-45; D
179d 6—7:
„Et Fouqueres qui conquist Paugalis Contre Tiebaut, lo fort roi desPerssis.“
c) A 245c 13; B 165a 9; C 161b 18; D 186c 30 und A
247 d 21 ; B 168d43; C 165dl; D 191b 28:
Et Fouquerös qui conquist l’auferrant.
sind wohl Anspielungen an F. de C. (?), wo Tiebaut eine
wichtige Rolle spielt.
112] Entree en Espagne.
C 160b 29— 30; D 185c 26— 27 2 ):
... roi Fernagu, Cil qui Rollanz ocist par sa uertu.
Diese Verse beziehen sich auf den Zweikampf zwischen
Roland und dem Riesen Ferragus, in dem letzterer unterliegt,
(cf. Hist. litt. XXVI, 354; Gaut. III (1880) p. 435. —
113] Chanson de Roland.
Da der Dichter von G. d’A. der Thaten Rolands in An-
spielung an die „Entree en Espagne“ gedenkt, wird ihm auch
die eigentliche „Chanson de Roland“ bekannt gewesen sein,
darauf lässt vielleicht auch Vers A 245b 49; B 164d 36 ; C
161a 39; D 186c 9 schliessen, welcher lautet:
„Et li quius sist el noir de Baligant.“
B. Inhaltliche nnd stilistische Berührnngspnnkte mit
verschiedenen Chansons de geste.
114] An die Spitze dieses Abschnittes stelle ich diejenigen
Chansons, welche auf Grund meiner Untersuchungen einen
1) cf. Al. b y. 4514 u. y. 6713 ff.
s ) A 244f 23 und B 164a 36 haben: roy Malostru ; der 2te der obigen
Verse fehlt in A B ganz.
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entschiedenen Einfluss auf G. d’A. erkennen lassen. Darauf
lasse ich die folgen, die einen solchen zweifelhaft, d. h. auch
den umgekehrten Fall, den Einfluss unseres Gedichtes auf die
betreffende Chanson, vermuten lassen; zum Schlüsse endlich
behandele ich die, welche von G. d’A. beeinflusst sind.
a. Prise d’Orange.
115] Wie im S. de B., F. de C., Enfances Guillaume, Hernaut
de Beaulande, Renier de Gennes etc. (cf. Gaut. IV, 103 § 6),
so handelt es sich auch in der Pr. d’O. und G. d’A. um ein
Liebesverhältnis zwischen einer heidnischen Prinzessin und
einem christlichen Helden, nur dass sich hier ein noch stärkerer
Parallelismus der Handlung zeigt. Bereits P. Paris hatte in
der Hist. litt. XXII, 498 auf den dem G. d’A. mit dem S. d. B.
und der Pr. d’O. gemeinsamen Grundgedanken hingedeutet.
Vgl. hierzu auch Gorras Übersetzung von Nyrops „Storia dell’
epopea francese etc.“ p. 145 — 146.
In G. d’A. wird die Stadt Andrenas, in Pr. d’O. Orange
eingenommen, dort Augalete, hier Orable getauft. In G. d’A.
heiratet Guibert, in Pr. d’O. Guillaume eine heidnische Königs-
tochter. In beiden Gedichten folgt dann ein glänzendes acht-
tägiges Fest.
Knüpfen wir hier an und sehen wir, was die beiden Ge-
dichte ausser diesen „lieux communs“ noch sonst für Situations-
ähnlichkeiten aufweisen :
116] Pr. d’O. v. 192 ff. wird Orange als eine stark befestigte
und wohl bewachte Stadt gerühmt und die Schönheit Orables
gepriesen. Man vergleiche hierzu G. d’A. A 240 d 3 1 — 49 ;
B 157b 24— 42; C 152dl— 19; D 176c9— 27, wo Andrenas
und Augalete verherrlicht werden. Aymeri sagt da:
„C’est Andernas, ifi ne le quier celer, Prince poissant por la terre garder . . .
Une eite qui molt fet <\ loer, Et Augalete la bele o le vis cler,
.€. tours i a que l’en a fet fonder Une pucele qui molt fet ä loer;
Et .c. palais qui sont de marbre cler. N’a si bele iusqu’ä la Rouge-Mer.“ —
En chascuue a ou paien ou Escler,
117] V. 860 ff. finden wir Guillaume mit Gillebert und Guielin
im Turme Gloriete „enserre“, wo sie sich gegen Gewaltthaten
von seiten der Feinde geschützt glauben. Orable, die mit
ihnen ist, verschafft ihnen dann Waffen, die sie anlegen, um
sich kampfbereit zu halten.
Diese Stelle erinnert lebhaft an G. d’A. A 246 d 34 ff. ;
B 167b 3 ff.; C 164a 2 ff.; D 189b 12 ff., wo sich Aymeri und
Augalete im Turme von Andrenas gegen Angriffe der Sarazenen
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eingeschlossen und verbarrikadiert haben. Augalete bringt
dem Grafen Waffen herbei, mit denen er sich ausrüstet, um
dann später am Kampfe teilzunehmen. 1 ) (cf. No. 99.)
118] Y. 1374 ff. verspricht Orable die französischen Barone
zu retten, wenn Guillaume bereit sei, sie zur Gemahlin zu
nehmen.
Dasselbe verheisst Augalete Aymeri datür, dass sie Guibert
zum Gatten haben wird. (G. d’A. A 246d 5 ff.; B 167 a 19 ff;
C 163dl4ff; D 189a 24 ff.) (cf. No. 99.)
119] Y. 742 f. sind die Heiden zusammengelaufen,
Por les barons veoir et esgarder.
Ebenso lesen wir G. d’A. A 243 a 45— 46; B 161 d 43 — 44;
C 157b 3— 4; D 181 d 24—25:
De toutes pars aünent li marchis Si 11011 t ueoir le roi qui estoit pris.
120] Wie inhaltlich so zeigen sich auch in stilistischer Hin-
sicht manche auffallende Übereinstimmungen in beiden Gedich-
ten. Die Kampfesschilderungen gleichen einander recht sehr,
zuweilen finden wir sogar gleiche Verse und Halbverse. Ich
gebe nur folgende Beispiele:
a) Pr. d’O. y. 954 — 57 lauten:
Au col li pent un fort escu liste, El poing li baille un fort espie quarre,
A un lion qui d’or fu coronez. 2 ) A .v. clos d’or le confanon fermA
G. d’A. A 241b 21— 22; B 158 c 6— 7; C 1 53 d 26— 28;
D 177d 18—20:
Au col li pendent ,i. fort escu uoti, .1. confanon ä .v. clox d’or clofi. 4 )
Es poinz li baillent .i. roit espi6 forbi, 8 )
b) v. 1864 f. :
Une grant cuve avoit fet aprester, De l’eve clere firent dedenz giter ....
und v. 1879 ff. :
Granz sont les noces sus el palös pav6 . . . .VIII. jorz durerent ä joie et ä barne . . .
cf. hierzu A 247 c 9 ff. ; B 168 c 22 ff.; C 165b 30 ff; D 190d37 ff:
Enmi la uile ont .i. fons aprestS (C: Et si font metre de l’eue grant
En une cuue de vert marbre list6, plente.
(Fehlt in C.) D: D’eve font mestre . . ,). 5 )
Yaue i metent dedenz ä grant plentö
und A 247c 22 ff; B 168c 35 ff; C 165b 41 ff. und D 191a
13 ff:
•Vni. iors tous plains furent en la Granz noces font en la sale pauee.
eite ... De ioie fu la vile encourtinSe . . .
0 cf. No. 142. (S. de B.)
2 ) A 242c 27; B 160c 33; C 156a 2; D 180b 22 wird ein „escu ä
Hon 11 erwähnt.
3 ) fehlt in AB; deshalb ist diese Stelle C entnommen.
4 ) cf. No. 127 (Co. Lo.).
5 ) cf. No. 135 (Al.).
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121] Es ist in beiden Chansons die Taufe der heidnischen
Prinzessin und die Hochzeit in nur ganz wenigen Versen an-
gedeutet. Jonckbloet sagt t. II, p. 78: „II est bon d’observer
que le poeme primitif de la Prise d’Orange ne finissait pro-
bablement pas d’une maniere si abrupte que la branche re-
maniee. II est probable que le bapteme et le mariage d’Orable
y etaient racontes en detail.“
122] Da wir nun in G. d’A. Anspielungen an die Pr. d’O.
finden (cf. No. 109), während der umgekehrte Fall nicht
vorhanden ist, muss die Pr. d’O. es gewesen sein, die einen
eben so kurzen Schluss in G. d’A. veranlasste und' überhaupt
unsere Chanson beeinflusste.
b. Aymeri de Narbonne.
123] Aym. ist dasjenige Gedicht, das G. d’A. am meisten
hinsichtlich der Sprache gleicht. Demaison sagt zwar Introd.
p. CIV: „A l’epoque oü fut cornpose Aymeri de Narbonne, le
style des chansons de geste etait jete dans un moule passable-
ment uniforme. On abusait alors des expressions banales,
des cliches invariablement reproduits chaque fois que l’occasion
s’en presentait. Les jongleurs avaient ä leur disposition une
serie de phrases toutes faites, d’un emploi facile, dont ils se
servaient sans cesse pour remplir et allonger leur Couplets.“
Er weist dann auf P. Meyer hin, der in der Einleitung zum
„Raoul de Cambrai“ (p. p. P. Meyer & A. Longnon, Paris
1882) p. LVIII— LX eine Liste solcher formelhaften Ausdrücke
aufgestellt hat. Zum Schlüsse aber sagt Demaison p. CV
über den Dichter des Aym.: „En resume, Bertrand est, pour
la forme aussi bien que pour le fond, l’un des meilleurs poötes
epiques de la periode ä laquelle il appartient.“
124] Wenn wir nun auch im G. d’A. genug solcher phrasen-
haften Wendungen finden, so zeigt sich doch trotzdem noch
eine Ähnlichkeit des Stiles beider Gedichte im grossen und
ganzen, der uns auf einen Einfluss der einen der beiden
Chansons auf die andere oder gar auf gleichen Verfasser
scliliessen lassen könnte. Man vergleiche Stellen wie:
a) Aym. Tirade XCIH und G. d’A. A 242a 34 ff.; B 160a
20 ff; C 155b 35 ff; D 179c 33 ff:
kymeris fu as fenestres assis „Bien dites, sire,“ fet la dame gentis.
Et Erm engars, la contesse gentis, Atant monta sus .i. destrier de pris,
Deuers senestre a retornS son vis Contre ses genz va li quens Ay meris,
Et uoit uenir maint cheualier de pris . . Les barons a baisiez et coniois
„Gentil contesse, par le cors Saint - Si en mena les barons seignouris
Denis, El palais de Nerbone.
Je uueil issir encontre mes amis.“
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b) Aym. XCI und G. d’A. A 245b 41 ff.; B 164d28 ff.;
C 161a 31 ff.; D 186c 2 ff:
Uaissent, Guillawmes s’en maine l’au- Aus ars d’aubour uont encontre
ferrant, traiant ;
L’antre destrier le uet aprez siuant Li quens Guillaumes se regarde sou-
Qui fu au roi Malagu le poissant. uent,
II nel perdra huimäs inien esciant; Do sor d’Egypte grant enuie li prent.
Ensemble furent norri et longuement. Par tans ferra des grans cox sor la
.V. paien issent de la eite uaillant, gent
L’uns sist el sor et l’autres el bau- .1111. M. furent el premier chief deuant,
chant, Et d’autre part i uint esperonant
Li tiers el griz et li quars el bruiant, Li rois Judas ä . C . M . Perssanz
Et li quins sist el noir de Baligant. Qui sont issuz de la cit6 poissant,
Selonc .i. pui uont Guillaume ataig- Si aiousterent . ij . M . maintenant
nant, Et d’une part et d’autre.
undA 245 e 12 ff; B 165c 25 ff; C 162a 16 ff; D 187b 23 ff:
Aymeris fu plains de grant hardement Quens AymeHs o le grenon ferrant
Et par eage n’ot bome si uaillant ... Et si ami et si apartenant.
Son cor sona Aymeris le ferrant, S[e]il nous trueue, n’auons de mort
En la eite l’oi'rent a’itant. garant,
Autre fois sone Aymeris le ferrant, Fuions nous ent trop alons atendant.“
Que bien l’oirent Achinars et Brui- A ces paroles en sont tornez fuiant.
lant . . . Quens Aymeris s’escria maintenant:
Dient paien: „Par mon dieu Terua- „Fil k putain, Sarr azin et Perssant,
gant, As .ij. raeillors bataille nous de-
Ce sont Francots qui sonent l’olifant. mant tf
Qa est uenus par le mien esciant
c) Aym. CIV und G. d’A. A 244a 45 ff; B 162*d9 ff. ;
C 158d 40 ff; D 184a4 ff:
Li paien saillent grant et fier et corssu, Gautier de Termes et Girart le
As Nerbonois sont encontre uenu .... membru
Noise demainent et grant cri et grant Ont pris ä force li cuuert mescreu .
hu, A Ay meri en est .i. mös uenu . . .
A nos barons sont encontre uenu. A tout .v. c. armez et feruestus
Maces ont granz et maint picot agu, Jusqu’ ä l’estor en sont courant uenu.
Et tex i a fort espiel esmolu; Quantil iuindrent, fier estor ont rendu,
Cui il consiuent mors est et confonduz. Tant ruiste cop ont sor paiens feru,
Sor Francop ont tant caplö et feru, Bertran et Guy ont le iour seccouru
Gui et Bertran ont pris et retenu, Et [tos] les autres, qui ierent retenu . .
Man könnte so noch viele Tiraden einander gegenüber-
stellen, die sich in beiden Chansons sprachlich eng berühren,
doch die obigen mögen genügen.
125] Aym. v. 4655 wird als vierter Sohn der dritten Tochter
Aymeris Soef del Planteiz (AB: Soies; E: Soiher; ABE: du
Plaisseis 1 *) genannt. Es ist dies die einzige Stelle, wo ich
ausser in G. d’A. diesen Namen gefunden habe. In G. d’A.
J ) Ich wähle hier zur bessern Vergleichung der Lesarten beider
Gedichte die für G. d’A. eingeführte Handschriften-Bezeichnung. Mit E
bezeichne ich die Hs. Bibi. Nat. 1448.
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lautet er ebenfalls an 2 verschiedenen Stellen und in den Hss.
verschieden. (Vgl. p. 23 Anm. 4 und 27 Anm. 1.) —
126] Dass nun aber Aym. und G. d’A. doch nicht von dem-
selben Verfasser herstammen können, bezeugt uns folgender
Umstand :
Aym. CXV, wo vom „nienor Guibelin dem siebenten
Sohne Hermenjarts und Aymeris, gehandelt wird, heisst es
am Schlüsse:
Puis li dona Aymeris en Ja fln Si fu oirs de Nerbone.
Tot son pai's et son palös marbrin;
Es stehen diese Verse in direktem Widerspruche zu G.
d’A., wo Aymeri seine Gemahlin um Rat fragt, wen er als
Erben von Nerbone einsetzen solle, und er ihr, als sie Guibelin
vorschlägt, antwortet:
„Ne place ä. dieu A cui ie doinse ne terre ne pai's.
Que i& mes cors ait ne Alle ne filz Aillent conquerre aussi commeiefis.“
(A 240c 42—45; B 157a 28— 31 ; C 152c 6-9; D 176b 9—12.)
Aymer'iet, der Pate des alten Grafen, erhält dann Nerbone.
Dem Verfasser von Aym. kann demnach die Chanson G.
d’A.nicht bekannt gewesen sein; es kann infolgedessen Aym.
auch nicht von G. d’A. beeinflusst worden sein, sondern der
umgekehrte Fall muss stattgefunden haben.
c. Couronnement Looys,
127] Inhaltlich berühren sich Co. Lo. und G. d’A. nicht, wohl
aber zeigt die Sprache beider Epen zuweilen eine recht auf-
fallende Ähnlichkeit; z. B. Co. Lo. v. 2474 ff.:
„Aportez mei mes plus cbiers guar- Ceinte a l’espee a son senestre flaue;
uemenz ! “ L’en li ameine le buen destrier corant . .
Et eil respont: „Tot a vostre comant.“ A son col pent un fort escu pesant,
L’en li aporte senz plus d’arestement. Entre ses poinz un fort espie tren-
E1 dos li vestent son halbere jaserent. . . chant,
Et puis lilacentunvertelme brisant,.. A eine clos d’or un gonfanon i pent.
cf. hierzu G. d’A. A 241a 36 ff.; B 158b 12 ff.; C 153c 34 ff.;
D 177c 16 ff.; die Stelle lautet nach C, wo die Übereinstimmung
noch grösser als in A ist: (Aymeris)
„Totes mes armes aportez ei auant . .“ Li caint l'espee au pontreflambiant . . .
„Sire, fet il, tot s\ uostre comant.“ Puis li amoinent .i. destrier arrabi, . . .
Totes ses armes li aportent deuant. Molt tost i roonte li filluel Aymeris;
El dos li uestent lo hauberc iazerant, Au col li pendent .i. fort escu uoti,
El chief li lacent le uert eaume Es poinz li baillent .i. roit espie forbi,
luisant, ... .1. confanon a .v. clox d’or clofl.
Co. Lo. v. 2495 ff. werden dieselben Zeilen mit Ausnahme
nur weniger wiederholt.
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128] Sonstige gleichlautende Verse sind z. B.
Co. Lo. v. 2145—46 u. G. d’A. A 245 b 24—25; B 164 d
11—12; C 161a 14— 15; D 186b 24— 25:
. . . ses escus esfc fendus et perciSs Et 8es haubers desrous et desmailliSs.
Co. Lo. y. 2592 u. G. d’A. A 246 a 31; B 166 b 18; C 162 d
42; D 188b 1:
Que flors et pierres en a ius trebuschiS (C D : aval en abati6 (D r afcastiS),
u. s. w.
129] Nach dem, was wir aus den wenigen angeführten gleichen
Lesarten entnehmen dürfen, kann also der Verfasser des G.
d’A. mit dem Co. Lo., wohl dem älteren der beiden Gedichte,
bekannt gewesen und hinsichtlich des Stils beeinflusst worden
sein; allerdings sind wir ähnlichen Versen auch in der Pr.
d’O. und Aym. begegnet. Gegen den umgekehrten Fall, dass
G. d’A. auf das Co. Lo. eingewirkt haben könnte, spricht der
Umstand, dass wir im Co. Lo. bei der erstangeführten Stelle
für denselben Akt der Handlung auch eine fortlaufende — ant-
Tirade vor uns sehen, während der Verfasser unserer Chanson
uns eine zusammengehörige Erzählung in zwei endungsver-
schiedenen Tiraden giebt.
d. Aliscans.
130] In der „Bataille d’Aleschans oder d’ Aliscans“ spielt ein
König Bauduc eine Rolle, die der des Bauduc im G. d’A.
in mancher Hinsicht recht ähnelt.
In beiden Chansons (Al. b v. 5087 ff.; G. d’A. A 242c
39 ff.; B 160 d 1 ff; C 156a 16 ff. ; D 180b 36 ff.) rückt Bauduc
an der Spitze eines Sarazenenheeres den Franzosen entgegen.
In Al. kommt Aymer, in G. d’A. ausser diesem noch Aymeri
und Ernaut in eine bedrängte Lage im Kampfe mit ihm und
seinem Gefolge (Al. b v. 5168 ff; G. d’A. A 242e26ff.; B
161b 6 ff.; C 156c 18 ff; D 181a 16 ff), aus der sie durch
andere Barone erlöst werden. 1 ) In Al. finden wir dann Bauduc
im Zweikampfe mit Renoart, in G. d’A. mit Aymeriet. (Al,
b v. 7015 ff. ; G. d’A. ebendas.) Bauduc unterliegt in beiden
Gedichten nach langem Kampfe, fleht um Gnade und verheisst
sich taufen zu lassen, was dann später erfolgt. (Al. b v. 8134 ff;
G. d’A. A 247 c 9 ff. ; B 168c22ff; C 165b 30 ff; D 190d
37 ff.)
131] Ein Unterschied der Situationen in den beiden Epen be-
steht darin, dass in Al. die beiden Gegner Bauduc und Renoart
so lange kämpfen, bis sich ersterer ergeben muss. In G. d’A.
1) ct. No. 89.
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50
dagegen flieht der Heide aus dem Handgemenge ; Aymeriet
verfolgt ihn, holt ihn schliesslich ein und zwingt ihn, sich zu
unterwerfen. 1 )
Ferner erfolgt in G. d’A. die Taufe Bauducs erst nach
der Einnahme von Andrenas, nachdem der heidnische König
zusammen mit Judas von Andrenas noch einmal gegen die
Franzosen gefochten hat und zum zweiten Male unterlegen
ist, 2 ) in Al. gleich nach seiner Besiegung.
132] Als in Al. das französische Heer nach Orange kommt,
befindet sich Guillaume mit seiner Gemahlin Guibourc am
Turmfenster, und beide beobachten das Heranrücken der Trup-
penmassen. (Al. b v. 4125 ff.)
Man vergleiche dazu:
1) G. d’A. A 241 f 49 — 242b 4 ; B I59d 26-160a 44;
C 155a42— 155c 15; D 179b 35— 179d 22, wo Aymeri und
Ermengart der Ankunft ihrer Söhne vom Turme aus zuschauen
und der alte Graf sie dann bewillkommt.
2) A 241ell— 23; B 159b 23— 35; 0 154c41— d9;
D 178d20 — 33, wo von Aymers Rückkehr aus Spanien er-
zählt wird. Die Stellen lauten nach A:
I,
Ay meris uint as fenestres au uent Entre ce bois et icele montaigne
Si regarda amont vers Orient LauientHen?awsosariche compaigne
Si uit uenir dant Bernart de Brabant, Vez le dragon k cele riebe enseign.
En sa compaigne maint cheualier Que seult porter es grans olz Karle -
uaillant. m aine !
Li quens apele Ermengart la sachant, Auecluiatantprince et tantchat eigene
Son filz Guill aume k l’adure talent. Par Sawf-Malo qu’en aoure en Bre-
„Esgardez Qa, dist li quens en riant, taigne.
Qa voi uenir dant Bernart de Brubant, Mar m’atendront li Sarrazin
En sa compaigne a merueillouse gent, d’Espaigne,
Si Lome sont molt fier et combatant; S’ä Andrenas les truisen la campaigne,
Mar i entrerent Sarr<mw et Perssant. Tant en morra, ainz que l’estor re-
Se les trouons sor Andrenas la grant, maigne,
Maint en ferons couroucie et dolant, Couuers en iert et livaux et laplaigne.
Tonte la terre penrons mien esci'ent, Quant pvis aurons la fort citö de-
Si la donrai Guibelin mon enfant magne,
Et Augalete o le cors auenant. Guibers mes filz l’aura, couint qu’il
S’il plaist k dieu, le pere roiamant, pregne,
Rois sera de la terre.“ Et Augalete penra sanz demouraigne,
Vne pucele de la geste Grifaigne.
Aymeris fu dedenz la tour hataine, Mes se dieu plest qui tous les biens
Qm\\aume uoit si li moustre et en- enseigne,
seigne : Guibers l’aura k femme et k compaigne
„Esgardez,filz,pardeuerscelleplaigne, Si iert crestiennee.
0 cf. No. 89.
2) cf. No. 100.
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r,T
kymeris fu as fenestres assis Je uueil issir encontre mes amis.“
Et Ermengar*, la contesse gentis. „Bien dites, sire M , fet la dame gentis.
Deuers senestre a retorne son vis Atant monta sus .i. destrier de pris,
Et uoit uenir maint cheualier de pris. Contre ses genz va li quens kymeris ,
„C’est d’Anseüne Garins li plus hardis, Les barons a baisiez et conioi's,
De Teraseone Guibers li plus fieris, Si en mena les barons seignouris
Gautiers de Termes, Sohier del Plan- El palais de Nerbone.
tei'z,
De Floriuile Hues, li frans marchis, Or ot li peres touz ses enfans
Et Fouquer&s qui conquist Paugalis mandez . . .
Contre Tiebantf, le fort roi des Perssis. Enz en Nerbone les a tous aioustez . . .
Gentil contesse, par le cors Saint- Enz el palös assembla li barnez
Denis, Quens kymeris et ses granz parentes.
2 .
Trouua Guibers le clietif Aymer A Ermengart le uet .i. m6s conter,
Qui repairoit d’nne terre preer; Que ses filz uient, li chetis Aymer,
Desconfit ot .i. roi felon Escler, S’elle en fu li6e, ne l’estuet demander.
. iij . M . paiens i ot fet deuier. Encontre uet la contesse au uis der,
Guibert le uoit si le court acoler, Brache leu6e va son fil acoler
Grant ioie font li frere k Pencontrer, El palös de Nerbone.
Deuers Nerbone prisent i\ cheminer.
Man wird leicht sehen, dass diese beiden Stellen in G.
d’A. nicht nur dem betreffenden Stück in Al. b (v. 4125—4260
mit Ausnahme weniger Verse) sprachlich und zum Teil auch
inhaltlich ähnlich sind, sondern geradezu oft wörtliche Über-
einstimmung aufweisen.
133] Al. b v. 2601—3 haben wir denselben Gedanken, den
G. d’A. A 241 d 45 ff. ; B 159b 4 ff . ; C 154c 22 ff.; D 178d
1 ff. enthalten. Wir lesen daselbst:
„Biax filz Guibert, distAy mcris li ber, Si parfont est dedenz Espaigne en-
Vous irez querre le chetif Aymer.“ trez.“ . .
„Diex, dist Guibers, ou le porrai Trouua Guibers le chetif Aymer...
trouuer? . .
Die folgenden Verse s. oben unter 2.
134] Am Schlüsse von Al. (b v. 8361 ff.) und G. d’A. (A 247 d
51 ff ; B 169a33 ff; C 165d 27 ff; D 191c 21 ff.) wird von
der Rückkehr der Söhne Aymeris in ihre Länder berichtet;
mau vergleiche besonders Al. b v. 8374—90 mit G. d’A. A
247el— 13; B 169a 36— 169b 1; C 165d 30— 39; D 191c
24 — 36. Es lautet diese Stelle in A:
A Anseiine est Garins reuertis, DedenzNerbone remest quens kymens
Et k Brubant uet Bernars li floris, Et Ermengars, la contesse gentis,
Et & Gironde uet Ernaus li hardis, Et ses filliex de cui il fu seruis.
Et k Orenge Guillawmee li marchis, Auec eus ont molt poi de lor amis.
Et en Gascoigne Bueues de Com- La dame pleure et par nuit et par dis.
marchis, Por leur enfanz qui si les ont guerpis
Et en Espaigne Aymers li chetis. Estoitli quens souuentesfoispenssis.. 1 )
J ) cf. No. 152 f. den Schluss des S. de B.
4 *
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135] Al. b v. 7910 ff. und G. d’A. A 247c 9 ff.; B 168c 22 ff.;
C 166b 30 ff.; D 190d37ff. gleichen einander sehr. In G.
d’A. heisst es:
Enmi la nile ont .i. fons aprestö Yaue i metent dedenz ä grant plentö,
En nne cuue de vert marbre listfe, Si la benlent li pronoire ordenö.
136] Al. b v. 5 ff.; 319 ff.; 5347 ff. etc. finden wir immer
die gleichen Personen zusammen genannt.
Dasselbe ist auch in G. d’A. der Fall:
1) A 244b 8—9; B 162*d 25—26; C 159a 13—14; D 184a
21 — 22 :
Gui et Bertran on pris et retenu,
Gautier de Termes et Girart le membru . . .
2) A 241c 16-18; B 158dl0— 12; C 154a 29 -31; D
178 a 29— 31:
. . A Guielin et au conte Bertrant,
Gautier de Termes et Guichar* le vaillant,
A Floriuile Hue le conquerant.
3) A 247 d 17 — 19; B 168d 39—41; C 165c42— 43; D
191b 24— 26:
.... Guielin et Bertrant,
Gautier de Termes et Guichar* (C: Girarz) le sachant,
De Floriuile Huon le conquerant (D: de Monmirant). (Fehlt in C.)
4) A 240c 24— 28; B 167a 10-14; C 152 b 24-28; D
176 a 24—28:
. . „Car ä Orange est et Girars et Guis, A Terascone est Guibers li gentilz
Gautiers de Termes, Sohier du Placei's, Et Guielins, li bons vassaux de pris.“
A Floriuile est Hues li gentilz,
5) A 244a 10; B 162*c 18; C 1 58 d 2 ; D 183d3:
Girars de Blaiues et Guis . . .
und A 244a 13; B 162*c21; C 158d 5; D 183d7:
Gautier de Termes et Guis de Montaimier
(CD: Girarz de Blaiues et Gui de Montarmier.)
6) A 245cll— 12; B 165a 7— 8; C 161b 15— 16; D
186 c 27—28:
Gautier de Termes et Guichart (C: Girarz) le uaillant,
De Floriuile Hue le combatant (D: de Monmirant). —
137] Dem Verfasser von Al. in der Redaktion, wie wir sie
vor uns haben, scheint der Stoff von G. d’A. nicht unbekannt
gewesen zu sein; darauf deuten verschiedene Stellen, wie:
1) v. 4214:
.... Guibert ki rois ert d’Andernas.
2) 4634 — 35 heisst es:
De la table ist Aimers et Bernars, Ernaus li rous, et Guibers d’Andernas.
(Al. a v. 4894: „Guichars d’Andernas“; cf. Al. b v. 2600:
„Guibers“, dem auch in Al. a v. 2848: „Guichars“ entspricht.)
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3) v. 4938—40:
La sesme esciele- Guillames baillie a Ciex eatoit rois et coroune porta.
Guibert sen frere c’Aimeris engendra ;
4) v. 5133 ist „Andeurnas“ (Al. a v. 5403: „Endemas“)
Guiberts Schlachtruf.
5) Al. a v. 5486 wird Guibers „li rois“ genannt.
6) v. 7924 wird Guibers (Al. a v. 7607: Guibers d’An-
dernas) als Pate Renoarts mitaufgezählt.
7) v. 8376 heisst es endlich:
A Andernas est Guibers revertis, . . .
138] Diese Stellen bestimmen mich dazu, es unentschieden
zu lassen, ob Al. auf G. d’A. eingewirkt hat oder der um-
gekehrte Fall vorliegt. Man möchte das letztere glauben,
doch dem steht entgegen, dass Al. viel älter ist als G. d’A.
(cf. Gaut. IV, p. 7 u. Jonckbloet II, 53 ff., 198 ff.), es sich
also um spätere Zusätze handeln müsste.
e. Siege de Bar hast re. 1 )
139] Beide Chansons beginnen damit, dass Aymeri — im S.
de B. zur Zeit des Pflngst-, in G. d’A. zur Zeit des Oster-
festes — in Nerbone weilt, wo er dem „adoubement“ , dort
Girarts und Guielins, hier Aymeri'ets beiwohnt. Die Ritter
ziehen hinaus vor die Stadt, wo die „quintaine“ stattfindet.
140] Es folgen nun die Kämpfe mit den Heiden. Während
im S. de B. die Sarazenen zur Belagerung Nerbones heran-
ziehen, ist es in G. d’A. Aymeri, der mit seinen Söhnen gegen
sie ausrückt, um für Guibert ein Land zu erobern. Im S. de
B. kommt Guillaume in eine bedrängte Lage; im Kampfe
wird ihm sein Pferd getötet; tapfer verteidigt er sich gegen
die Feinde, die ihn umzingelt haben. Girart eilt ihm endlich
zu Hülfe und bringt ihm ein anderes Ross, das er ihn be-
steigen lässt. Mutig schlagen sie mit vereinten Kräften um
sich. Guielin kämpft gegen Corsolt de Tabarie. Doch die
Heiden sind in der Übermacht. Buevon und seine beiden
Söhne Girart und Guielin nebst mehr als 100 Rittern werden
zu Gefangenen gemacht.
In einer gleichen Situation befindet sich in G. d’A. der
alte Aymeri. Während Guillaume im Zweikampfe mit Cor-
suble ist, kommen Aymeri, Aymer und Ernaut in arge Be-
drängnis im Handgemenge mit Bauduc und seinen Mannen.
Auf beiden Seiten, besonders der der Franzosen, entstehen
grosse Verluste. Da eilen Guillaume und Bertrant zu Hülfe.
x ) cf. Victor Keller: Le Siöge de Barbastre und die Bearbeitung von
Adeuet le Roi. Diss. Marburg 1875.
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Hier entrinnt Aymeri noch der Gefangenschaft, doch unter
den Mauern von Andrenas muss er, aller Verteidigungsmittel
bar, sich ergeben.
141] Im S. de B. äussert der Emir grosse Freude, als er
die Namen der Gefangenen und von ihrer Herkunft aus dem
ihm verhassten Geschlechte Aymeris vernimmt. Sofort will
er sie hängen lassen, doch der Amustant von Cordova rät ihm
davon ab; er schlägt vielmehr vor, sie unter Corsolts Be-
wachung nach Barbastre zu senden. Dies geschieht.
Ebenso ist Judas von Andrenas ausser sich vor Freude,
als er den gefangenen Aymeri vor sich sieht, den Bauduc
unter Corsolts Schutze nach der Stadt hat führen lassen. Judas
will ihn sogleich auf die schrecklichste Art zum Tode be-
fördern lassen. Doch auf Bauducs Fürsprache hin wird der
alte Graf einstweilen im Turme in Gewahrsam gehalten.
142] Im S. de B. gelangen Buevon und dessen Söhne durch
Clarions Verrat aus dem Gefängnisse, erhalten von ihm Waffen
und bemächtigen sich dann später der Stadt Barbastre.
In G. d’A. steht Augalete Aymeri bei und verschafft ihm
Waffen; bei Erstürmung von Andrenas eilt Aymeri dann hinaus
aus dem Turme und ergreift mit Besitz von der Stadt. 1 )
Während aber dort Buevon und die Seinen gezwungen
werden, sich auf den Hauptturm zurückzuziehen, wo sie sich
verbarrikadieren und dann belagert werden, ist es in G. d’A.
der König Judas, der in einem Turme von den Franzosen
bedrängt wird.
143] Die Flucht Corsolts nach der Einnahme von Barbastre
zum Amustant von Cordova, dem er alles Unglück verkündet,
erinnert an die Stelle in G. d’A., wo Barbaquant zu Judas
von Andrenas eilt, um ihm die Nachricht zu überbringen, dass
Balesguer gefallen und Bauduc gestürzt sei. In beiden Ge-
dichten schwört man dem Geschlechte Aymeris Bache.
144] Wie schon No. 115 (Pr. d’O.) erwähnt, ist auch in dem S.
de B. die Grundidee : die Einnahme einer heidnischen Stadt und
ein Liebesverhältnis zwischen einem französischen Barone und
einer sarazenischen Prinzessin. Im S. de B. ist es Malatrie,
die von Liebe zu Girart ergriffen ist, ohne ihn je zuvor ge-
sehen zu haben, in G. d’A. liebt Augalete Guibert, von dessen
Ruhmesthaten sie sehr viel gehört, den sie aber noch nie
selbst gesehen hat. In beiden Gedichten verraten sie ihren
») cf. No. 117 (Pr. d’O.).
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Vater; dort riskiert Malatrie das Leben ihres Geliebten und
das Wohl und Wehe des Sarazenenheeres, in G. d’A. Augalete
das Aymeris, des Vaters Guiberts, und das Heil ihres Volkes,
beide in der Hoffnung, durch ein Christenheer entsetzt zu
werden.
145] Auch der Ausgang des S. de B. gleicht dem des G.
d’A. sehr. In jener Chanson lässt der Emir einen Scheiter-
haufen vor den Mauern der Stadt anzünden und den gefangenen
Guielin „tout empur sa chemise “ zum Holzstosse führen, um
dadurch die Übergabe von Barbastre als Lösegeld für Guielin
zu erzwingen. Dieser ruft die Seinen um Hülfe an und wird
durch Girart befreit. — Man schickt Boten zu Looys und
Aymeri, da die Lage der Franzosen immer misslicher wird.
Es kommt ihnen Unterstützung. Barbastre wird entsetzt und
ein grosser Teil Spaniens erobert. Malatrie wird getauft und
Gemahlin Girarts. Die Franzosen teilen sich in die gewonnenen
Provinzen. Aymeri kehrt nach Nerbone zurück, seine Söhne
eilen ihrer Heimat zu und Looys mit seinen Baronen nach
Paris.
In G. d’A. lässt Aymeri vor Balesguer einen Scheiter-
haufen errichten ; der gefangene König Bauduc wird zum Feuer
geführt. Mit lauter Stimme ruft er seine Gattin und Söhne
um Befreiung an. Diese übergeben dann auch in der That
die Stadt, um Bauducs Freilassung zu bewirken.
Im letzten dieser Punkte weichen die Gedichte von ein-
ander ab, doch in beiden Fällen hat sich das Schicksal zu
Gunsten der Franzosen gewandt.
Der Schluss ist derselbe : die heidnische Stadt wird er-
stürmt. Augalete erhält mit der Taufe die Hand Guiberts,
der als Herr von Andrenas zurückbleibt; die andern Barone
suchen ihre Länder wieder auf.
146] Nachdem wir jetzt den Gedankenzusammenhang des S.
de B. und G. d’A. im grossen und ganzen kennen gelernt und
die Hauptzüge mit einander verglichen haben, wollen wir nun
auf eine Vergleichung einzelner Situationen und kleiner
Charakterzüge eingehen.
147] Der Inhalt von v. 2415—2509 des S. de B. ist folgender:
Buevon tadelt seinen Sohn Girart, dass er durch ein un-
besonnenes Unternehmen sich und die schwache Besatzung
von Barbastre einer grossen Gefahr ausgesetzt habe. Girart
erzählt den Sachverhalt und berichtet von seinem Zweikampfe
mit Libanor, den er besiegt habe, sowie von der Rückerobe-
rung Malatries durch die Heiden. Da Buevon sieht, dass die
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Prinzessin in den Händen der Sarazenen zurückgeblieben ist,
redet er seinen Sohn spöttisch an: *)S. de B. A 2448:
„Rendez moi la pucele ne le m’escondissiez!“
Girart erwidert ihm, dass die Übermacht der Feinde sie ihm
entrissen habe. Da bricht Buevons Unwille los:
„He! glous, ce dist ii dus, tos fustes esmaiez,
De paour Ii lessastes de fine mauuestiez,
Encor n’est tes haubers rompus ne desmailliez,
Ne voi pas vos costez d’anbe .ij. pars perciez.
Se fusse en lieu de vous armez et haubregiez,
Ainz fust iusqu’ä, la terre li sanz vermax glaciez
Et mes cors entamez et en .C. lieus perciez.“
(A 2453—59.)
Girart entgegnet darauf:
„Sire, ce dist Qirars, ä tort me laidengiez,
Ains que ie la guerpisse, fu ie molt bien paiez,
Quant atant eschapai, encor sui iou tous liez;
Se vous estes prodom, bien voeil que le soiez,
On set molt grant piega, que molt estes proisiez.
Mes par celui seignour, de qui sommes jugiez,
II n’a or bomme en France, tant soit sain ne hetiez,
Ne s’en fust tost sanz li volent.iers reperiez
Por pooir qu’ eiissiez iä, ne le tenissiez.“
(A 2460—68.)
Mit heftigen Worten antwortet Buevon seinem Sohne und
rühmt sich seiner Thaten. Es lauten v. 2469 ff.:
„He, glous, ce dist li dus, com tu es emplaidiez!
Jä, fui ie h Commarcbis de paiens assegiez,
.X. rois paiens i ot dont ie fui assegiez,
Je combati tous seul ä, .iiij. renoiez,
Le[s] .ij. en getai morz, les .ij. menai liez,
Des .ij. que ie pris oi fui ie molt bien paiez,
Que i’en oi de fin or .ij. sommiers tous cbargiez.
Tan en donai mes hommes, que chascun fu tous liez,
Et si en fui plus d’aus seruis et essauciez,
Jes conquis par mes armes.“
Girart betont, dass er allein den Feinden gegenüber ge-
standen habe, während Buevon doch immer Helfer an seiner
Seite gehabt hätte. Sein Vater ist schliesslich so erbittert,
dass er zum Stocke greift und Girart schlagen will. Doch
die Barone entziehen ihm den „baston de mellier“. Sie haben
Guielin geholt, der seinem Bruder heftige Vorwürfe ob seines
Betragens gegen den Vater macht und endlich den Streit beilegt.
Man vergleiche hierzu A 240 e 35 ff. ; B 157 c 37 ff. ; C
153a 13 ff. ; D 176 d 25 ff. und
*) Die Citate aus dem S. de B. sind wie die aus G. d’A. nach Hs. A
(Gundlacb: D).
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A 245dl ff.; B 165b 5 ff.; C 161c 18 ff; D 186d34ff
in Gr. d’A.
An der ersten der beiden Stellen finden wir den alten
Aymeri im Streite mit seinem jüngsten Sohne Guibert. Aymeri
verkündet ihm seine Absicht, Nerbone seinem r fiHuel“ Ay-
meriet zu geben, und fordert ihn auf, für sich selbst ein Land
zu erobern. Guibert, darüber sehr aufgebracht, lässt sich zu
argen Schimpfworten gegen seinen Vater hinreissen. Als er
schliesslich ihn auch noch höhnt (cf. No. 80), erwidert Aymeri :
„Tais, glons lechierres, .... De mon seior que auez k parier,
Filz k putain, maluais couart prouue ! Se ie m’aaise et fas mes richetez ?
Je le conquis dedenz mon ione a6. Se uolez fere aussi, si conquerrez ! u
(A 240 f 36 ff.; B 158a 3 ff.; C 153b 24 ff; D 177b 2 ff);
er verheisst ihm aber eine Heeresmacht zu sammeln und selbst
mit an dem Eroberungszuge teilzunehmen. Guibert, durch
dies Versprechen beschwichtigt, verzichtet dann auf Nerbone
zu Gunsten Aymeriets.
Die zweite Stelle berichtet uns von einem Wortgefechte
zwischen Aymeri und Guillaume:
Die Franzosen kehren mit reicher Beute aber ohne Kriegs*
gefangene zu ihren Zelten zurück, unter ihnen Guillaume.
Aymeri fragt ihn spöttisch:
„Ou sont li turc que vous nous amenez ? Se uos auez prison, si le rendez!“
(A 245 d 9—10; B 165b 13—14; C 161 c 26—27; D 187a 4— 5.)
Der Graf, durch diese Frage gekränkt, antwortet ebenso
höhnisch :
„S’en l’angarde fussiez o moi montez, Ainz que fuissiez as loges retornez.“
De vostre cors fuissies tous encombrez,
(A 245dl8— 20; B 166b 22— 24; C 161c 35 — 37; D 187a
13—15.)
Diese Antwort reisst den alten Aymeri zu den heftigen
Worten hin:
... „Dant glous, vous i mentez, Les .x. occis, ce est la ueritez,
N’a encor pas .xxv. anz passez, Et .x. en furent et plaife et naure.“
Quant .xx. paiens fui ie seul aioustez.
Guillaume entgegnet:
. . . „Uous dites ueritö, Vous escrioit: Sire ksmeris, tornez!
Mes ce estoit deuant vostre eite ; Qui uoit s’amie plus en est desrees.
A vos archiers vous faisi'ös garder, Mes ci, n’oi ie horoe de mere n6
Qui traioient les quarriaux empenez. Qui m’ i aidast, fors dieu de maiestfe.“ 1 )
DameErmengars,qui tant a de biautez,
(A 245 d 21 ff. ; B 165b 25 ff; C 161c 38 ff; D 187a 16 ff.)
!) Vielleicht eine Anspielung an eine Stelle des S. de B. (?), v. 346 ff.;
doch können diese Verse auch einen andern Bezug haben (z. B. auf den
S. de N. — cf. Gant. t. IV, 326 EI: Les Iufidöles cependant etc. etc. —
oder anf sonst eine noch unedierte Chanson unseres Cyklus).
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Aymeri verheisst, bereits am nächsten Morgen seinen
Mut an den Tag zu legen; damit ist der Streit beigelegt.
Wir sehen, dass diese beiden Stellen nicht nur inhaltlich
mit der im S. de JB. grosse Ähnlichkeit haben, sondern dass
auch sprachliche Übereinstimmungen vorhanden sind.
148] Im S. de B. bricht Girart mit einigen Baronen unter
Führung des Heiden Malaquin bei Nacht von Barbastre nach
dem feindlichen Lager auf; sie reiten durch die Furt. Während
Girart zu Malatrie eilt, verbergen sich die übrigen in einem
Gehölze, (v. 2716 ff.)
In gleicher Weise verlässt Aymeri, nachdem sich jeder
zur Ruhe begeben hat, das Lager, passiert den Fluss an der
Furt, stürmt eine Anhöhe hinauf bis nahe an das feindliche
Heer und macht hier Halt.
(A 245 d 43 ff. ; B 165c 3 ff.; C 161d 14 ff. ; D 187a 38 ff.)
Die Verse S. de B. 2708, 2711, 2719, 2722—24:
II a dit ses hommes: „Adoubez vous baron . . .!“
Maintenant sont arme trestuit li compaignon, . . .
Et Giror« point et broche le cheual arragon . . .
Et sont uenuz au gue sanz nule ai'reson,
Et dedenz le brueillet s’embuschent li baron,
Et Qirars uet auant et li autre & bandon ...
gleichen inhaltlich A 244d 12 ff.; B 163c 5 ff; C 159c 38 ff. ;
D 184 d 20 ff. in G. d’A., wo von Guillaume erzählt wird:
Des qu’ Aymeris l’ot dit et commande, Sont li baron tout coiement entre,
.III.M. furent qui se sont adoube, Sagremors treuuent, ou se sont es-
Maintenant sont outre l’yaue passfi, cunsse.
En .i. vergier par dehors la eite
149] Im S. de B. verflucht der Amustant seine Tochter
Malatrie, in G. d’A. Judas Augalete wegen ihres unbesonnenen
Handelns.
150] Im S. de B. verspricht der Emir Buevon und den Seinen
freien Abzug für Herausgabe Malatries und Lybanors; das-
selbe. verheisst Aymeri Bauduc und seinen Angehörigen für
die Übergabe Balesguers.
151] In beiden Gedichten wird der Turm der Stadt — im
S. de B. von Clarion, in G. d’A. von Augalete — als besonders
fest und uneinnehmbar gepriesen, in dem sich dort Buevon
mit seinen Söhnen, hier Aymeri verbarrikadieren soll, um sich
zu retten.
152] Endlich wie der Eingang beider Chansons eine gewisse
Ähnlichkeit nicht verkennen lässt — man Vergleiche s, de B.
v. 6 ff.:
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Ce fu k penthecostfe, une feste honoree,
Li quens fu k Nerbone, sa grant cit6 fondee,
Ses filz ot departiz, chascun ot sa contree.
N’ot que Guill aume o lui k la chiere membree,
Bueue de Comarchis, Erm engart la sen6e . . .
und G. d’A. A 240c 1 ff.; B 156d 1 ff; C 152b 1 ff ; D 176a 1 ff :
Ce fu k pasques, la feste seignouri. Si en auons .v. filles et .vij. filz,
Dedenz Nerbone fu li quens Aymeri, . . Neueus et nieces dusqu’ä .lxvi.,
Deiouste lui Ermengars la gentis . . . Par maintes terres ai mes hoirs de-
„Dame Ermengart“ dist li quens partiz, ....
Ay meris .... N’a que Guibert remez en cest pais . . .
— so kommt auch der Schluss des S. de B. dem von G. d’A. nicht
nur inhaltlich (cf. No. 145), sondern auch sprachlich sehr nahe :
S. de B. v. 7664 ff. lesen wir:
Le roi ont conuote, puis si ont congte pris,
Li rois et si baron reuienent k Paris.
Or departent les olz, li sieges est fenis.
A Brubant s’en reua dan Bernart li floris,
Et Garins d’Ansetine li preus et li liardis
Et Ernaus de Gironde reuait en son pai's,
Et Guill aume k Orenge, B neues k Commarchis,
A Nerbone remest li frans quens kymeris.
Ensi ot ses enfans seurez et departis,
Fors qu’il retint Guibert, le mains n6 de ses filz,
Qui encore n’auoit ne terre ne pais.
Auec lui le retint se peres Ay meris
Et Ermengars, sa mere.
Aueuques Ay meri, son pere le ferrant,
Et auec Erm engart, sa mere la uaillant,
Remest Guibers, lor filz, qui molt ot hardemeut
Et kymeris aueuc que il aime forment:
Ce fu Aymer'tes dont il font chierte graut;
Auec le conte furent eil dui molt longuement . . .
Car afoiblotes ert kymeris durement,
Ne puet mais d’armes fere nul grant efforchement,
Ne n’issoit de Nerbone du mestre mandement,
L k se faisoit seruir li frans quens richement,
Car de guerres mener se doloit durement,
Et si se doutoit molt li quens de mort souent.
G. d’A. A 247 d 50 ff. ; B 169a 32 ff; C 165d 26 ff; D 191c
20 ff. lauten :
Si s’eu alerent, chascuns en son pais, Dedenz Nerbone remest quens Aymeris
Gongte demandent li conte et li Et Ermengars, la contesse gentis,
marchis, Et ses filliex de cui il fu seruis;
Molt ä enuis leur otroie kymeris. Auec eus ont molt poi de lor amis . . . .
Chascuns s’en part que n’i a terme quis. Si fu li quens et viex et afoiblis,
A Anseiine est Garins reuertis, Que ne se pot aidier li quens de pris,
Et k Brubant uet Bernars li floris, Car plus auoit de .vij .xx. anz et .x. —
Et k Gironde uet Ernaus li hardis, Bien le serui ses filliex Aymeris,
Et k Orenge Gmllaumes li marchis, Tant que .i. maus estoit au conte pris,
Et enGascoigneBueues deCommarchis, Si com dieu plot, le roy de paradis,
Et en Espaigne Aymers li chetis. Ne pot leuer ne par nuit ne par dis. 1 )
*) cf. No. 134.
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60
153] Die letzten Verse des S. de B. (v. 7692 ff.) bilden ausser
in Hs. P (cf. Gundlach, A. u. A. IV, p. 143, 5), den Übergang
zum 6. d’A. und lauten:
A une s ainte pasque, que sont lie mainte gent,
Se porpenssa li quens qui ot grant esci'ent,
Qu’U, ancois que mourust, ne presist finement,
Que son filluel donra quite son casement,
Trestout le Nerbonois et ce qui i appent,
Et ä Guibert, son filz, a dit tot maintenant,
Que de la seue terre ne tenra il neent,
Et Guibers s’en ala courrouciez et dolant
Conquerre estrange terre. —
154] Aymeris Sohn Guibert spielt überhaupt in der ganzen
Chanson S. de B. eine wichtige Rolle; er zeichnet sich durch
glänzende Kriegsthaten aus und besiegt seine Gegner in ver-
schiedenen Zweikämpfen. Obgleich v. 5911 Guiberts Schlacht-
ruf „Monjoie“ ist, könnte es doch scheinen, als ob dem Dichter
des S. de B. die Erwerbung von Andrenas durch Guibert
bekannt gewesen sei, denn v. 2113 nennt sich Girart „niez
Guibert d’Andernas“. Alle Hss. ausser der schlechtesten
(Roy. 20 B. XIX) haben diesen Vers.
155] Es wäre vielleicht sogar denkbar, dass G. d’A., welcher
dem S. de B., wenigstens in der uns erhaltenen Redaktion,
aus denselben Gründen, die M. Rohde („La Prise de Cordres etc.
Einleitung I.“ in Roman. Forsch. VI, 1. 1888 p. 60) für die
Pr. de Co. gegenüber dem S. de B., angiebt, zeitlich voraus-
geht, von demselben Verfasser herrührte. V. Keller sagt zwar
p. 6 seiner Untersuchung über „Le Siege de Barbastre etc.“
Marburg 1875:
Die Jongleurs haben die Belagerung von Barbastre schon
im zwölften Jahrhundert besungen. In der chanson Aliscans,
deren erhaltene Redaktion nach Guessard (Aliscans, preface
LXXIX) nicht lange nach 1185 entstanden sein kann, ist
„Barbastre“ der Schlachtruf von Bovon de Commarcis:
Quens Aimeri a „Nerbone“ escriee, YX»Andeumas u a Guibert YeclamGe,
Ses fiex Guillames „Orange la dout6e“, Beuves „Barbastre“, ki siet sor mer
Ernaus „Geronde“ .1. ensegne lo6e, sal6e. (Aliscans v. 5129 etc.)“
Bemas „Brubant“ä molt grant alenSe ;
Diese Bemerkung Kellers können wir aber auf Grund des
vorletzten dieser Verse auch auf G. d’A. beziehen; cf. was
J ) Keller macht hierzu die Anm. : „Andernach bei Coblenz? Schlacht
876 zwischen Karl d. Kahlen und Ludwig dem Deutschen (Siehe Rhein.
Antiquar. III. Abth. 4. Band. Andernach.).“ — Andrenas kann nur eine
spanische Stadt sein, da der Schauplatz des G. d’A. ausser in Stidfrank-
reich (am Anfänge und Schlüsse unserer Chanson) nur in Spanien liegt.
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G. Paris, Litt. p. 72, 42 sagt: „Le Couronnement de Louis, la
Chevalerie Vivien, la Prise d’Orange, les Enfances Guillaume, etc.,
ont existe sous des formes differentes de celle qui est arrivee
jusqu’ ä nous, et c’est ä ces formes premieres que se röferent
d’autres po&mes. La plupart de nos manuscrits sont des
manuscrits de Compilation, oü on a essaye de grouper un plus
ou raoins grand nombre de poemes narbonnais en une Sorte
d’histoire suivie; on n’a pas reussi ä en faire disparaitre les
contradictions et les incoherences, bien qu’on se soit permis
non senlement des raccords, mais sonvent des modifications
importantes aux textes qu’on voulait röunir.“
156] Dass aber die Pr. de Co. und G. d’A. nicht demselben
Dichter zuzuschreiben sind, was Rohde für möglich hält,
darüber siehe später (cf. No. 165). Wir lassen diese Frage
der Verfasserschaft der drei Gedichte noch offen; dieselbe
bedarf noch einer nähern sorgfältigen Untersuchung, die wir
hier nicht beabsichtigen. Das steht aber fest, dass ein Ein-
fluss von seiten des S. de B. auf den G. d’A. oder, was ich
für wahrscheinlicher halte, — entgegen der Ansicht Nyrops,
welcher sagt (Gorra, p. 145): 11 poema (G. d’A.) si crede
essere del secolo decimoterzo: propriamente esso non e altro che
una ripetizione, con nomi diversi, della „Prise d’Orange a e del
„Stege de Barbastre“ etc., — ein solcher des G. d’A. auf den
S. de B. stattgefuuden hat.
157] An den S. de B. schliessen sich nun, wie zuerst A.
Gundlach A. u. A. IV, p. 143, 5 angegeben hat, in der Hs.
P = Paris. Bibi. Nat. 1448, anc. 7535, die inhaltlich bis v. 7666
(nach D) mit den übrigen geht, noch 435 selbständige Verse
an. P. Paris fasste, wie M. Rohde p. 57 sagt, den S. de
B. und die Pr. de Co. als ein zusammengehöriges Ganzes auf
(cf. Hist. litt. XXII, 547 — 48). Auf das Unberechtigte einer
solchen, Zusammenwerfung hat bereits Gautier im 4. Bde. S. 4
seiner Epop. franq. aufmerksam gemacht. Gautier lässt aber
den S. de B. in obiger Hs. fol. 110 beginnen und fol. 164
die Pr. de Co. folgen. Auch V. Keller (p. 5) und M. Rohde
(p. 57 u. 60) geben für den S. de B. fol. 110 — 163 an. Keller
giebt aber den Inhalt dieser Chanson nur bis fol. 160, womit
auch die eigentliche Erzählung von der Belagerung von Bar-
bastre ihren Abschluss findet, während Rohde die Analyse
seines Gedichtes erst mit fol. 164 a beginnt.
Weder P. Paris oder L. Gautier, noch V. Keller oder
M. Rohde erwähnen also etwas von jener Fortsetzung des
S. de B. in der Hs. P. Bl. 160-^- 163. Diese 435 Verse nun
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berichten von der Rückeroberung von spanischen Städten,
besonders von Cordres, durch die Heiden und bilden den Über-
gang zur eigentlichen Pr. de Co., die die abermalige Er-
werbung dieser Stadt durch die Franzosen schildert. —
158] Der Inhalt des noch unbekannten Stückes ist folgender:
Nachdem die Franzosen unter der Führung von Loois
und Aymeri in ihre Heimat zurückgekehrt sind, kommt der
„amirant persis “ , der bei der Belagerung von Barbastre ge-
flohen war, zum König Judas von Sebille nach Lutis und ver-
kündet ihm das Unglück, das ihn betroffen habe:
Sire, ge uien d’Espaigne, ou ge suis desconfis,
Perdnt ai tos mes homes et mes mellors amis,
Et si ai perdut Cordes et Leride antresin
Et Morinde la riche et Barbastre, ma cit.“
Judas verspricht ihm, dafür Rache an Aymeris Geschlechte
zu nehmen. Da erscheint ein Bote im Palaste und berichtet
von den letzten Vorgängen in Spanien nach der Einnahme
von Barbastre: von der Verteilung der Städte an die Ver-
wandten Aymeris und von der Rückkehr der Franzosen in
ihre Länder. Da Cordres und Barbastre nach dem Berichte
des Boten nur schwach besetzt sind, fasst Judas den Plan,
diese festen Plätze wieder den Händen der Feinde zu ent-
reissen. Bald ist das Heer gesammelt, gerüstet und auf dem
Marsche gegen Cordres begriffen. Bis auf eine halbe Tage-
reise an die Stadt herangekommen, lagert sich das Heer.
Am andern Morgen rüstet sich der Emir mit 100 Sarazenen
und reitet an ihrer Spitze gegen Cordres los. —
Girart von Cordres hat, nachdem er seine Städte dem
Schutze der zurückbleibenden Barone anvertraut hat, seinen
Palast mit seiner Gemahlin Malatrie und 100 Rittern ver-
lassen, um die Seinen in Nerbone zu besuchen. Da unterwegs
erblickt er in der Ferne Heiden und als ihren Führer den
Emir. Er bringt Malatrie in Sicherheit, und bald entspinnt
sich ein Kampf. Alle Sarazenen fallen ausser einem einzigen,
der zu Judas eilt und ihm die Kunde vom Tode des Emir
und seiner Schar überbringt. Der König bricht noch selbigen
Tages mit seinem Heere auf, um Cordres anzugreifen. Die
Stadt wird erstürmt. Während der Nacht haben sich Judas
und Butor „richement osteUs“. Darauf ziehen sie gegen
Barbastre, dessen Herrscher Clarion durch einen Boten vom
Anmarsch der Feinde bereits benachrichtigt ist. Die Stadt
wird belagert und durch die Wurfgeschosse der Heiden arg
verwüstet. Sie stecken die Häuser in Brand und schnell
verbreitet sich das Feuer durch die ganze Stadt. Endlich
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dringen sie durch die Thore in Barbastre ein. Die Franzosen
verteidigen sich tapfer. Clarion hat bereits 7 Gegner er.
schlagen und schickt sich zum Zweikampfe mit Butor an. . . .
159] Hier bricht die Kampfesschilderung ab. —
Wir sehen, dass Judas in diesem Stück eine wichtige
Rolle spielt ; auch wird er ausdrücklich als Vater Algaies ge-
nannt, und es wird auf die Vermählung letzterer mit Guibert und
somit auf G. d’A. selbst angespielt. Es heisst fo. 1 61 r 12 ff.:
Judas eu a sa Alle auoques lui menee,
Algaie auoit & non, gente iert et acesmee,
II n’out si belle ferne deca la mer betee,
Et puis la prist Guibers ä moi liier espousee.
Ausser in G. d’A. und Pr. de Co. ist mir nur an dieser
Stelle noch der Name Algaie begegnet, und zwar ist sie auch
hier wie in jenen Chansons Tochter des Judas.
160] Über die Autorschaft dieser 435 Verse lässt sich nur
dasselbe sagen wie über die des S. de B. Vielleicht erhöht
dies aber die Wahrscheinlichkeit, dass der S. de B. von G.
d’A. abhängig ist.
f. Prise de Cordres.
161] M. Rohde sagt p. 60 seiner Untersuchung : „Eine andere
Chanson kommt hier noch in Betracht, nämlich der nur in
einer 1 ) Hs. La Valliere nr. 23, Bl. 157 — 170 überlieferte und
daselbst unmittelbar auf „Li Sieges de Barbastre“ folgende
„Guibert d’Andrenas“. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass
dieses Denkmal gleichfalls unserem Dichter zuzuschreiben ist :
auf jeden Fall hat derselbe es gekannt. Man vergleiche mit
der Hist. litt. XXII 498 gegebenen Analyse die Verse 183 — 185 ;
406—424 und 2370—2381 unserer Chanson.“
162] Vergleichen wir jetzt, da der in der Anm. p. 57 an-
gekündigte Text noch nicht erschienen ist, die von Rohde
gegebene Analyse der Pr. de Co. mit G. d’A., so können wir
dem letzten Teile seiner obigen Ansicht durchaus zustimmen.
Denn es finden sich in der Pr. de Co. nicht nur ver-
schiedene Anspielungen an unser Gedicht und eine grosse Zahl
von Situationen und Charakterzügen, die demselben entnommen
sind, sondern es knüpft dieselbe auch inhaltlich unmittelbar
an die letzten Vorgänge in G. d’A. an. Der Eingang der Pr.
de Co. schildert in ausführlicher Weise die Vermählungsfeier
Agaies mit Guibelin (Guibert), derer am Schlüsse unserer
J ) Rohde hat diese Unrichtigkeit wohl aus der Hist. litt. XXII (1852)
entnommen, wo P. Paris p. 501 ebenfalls nur eine einzige Hs. des G. d’A.
erwähnt.
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Chanson nur in wenigen Versen gedacht ist (cf. Rohde p. 61).
Judas gilt noch als lebend und im Besitze von Cordres.
163] Anspielungen in der Pr. de Co. an G. d’A. sind nach
der Analyse Rohde’s folgende zu nennen:
a) In dem Abschn. 112 — 192 wird „Baldus, ein bekehrter
Heide“ erwähnt. Es bezieht sich das auf G. d’A. A 247 c 14;
B 168c 27; C 165b 33; D 191a 3 (No. 101):
Premiers i ont Baudu crestienne.
b) Im Abschn. 192 — 457 (p. 63) heisst es: Aymer entgegnet,
Aimeri wäre vor Andernai ebenso verfahren; ohne Gefährten
hätte er das Lager verlassen und wäre verloren gewesen,
wenn Gott und Baldus ihn nicht gerettet hätten. — Es ist
dies in kurzen Worten die Erzählung von A 245 d 43 — 246 c
43; B 165c 3 — 167 a 4; C 161d 14 — 163c 41; D 187a38—
189a 9 (No. 97 u. 98).
c) Abschn. 458—581 Schluss und 582—699 Anfang (p. 64)
wird erzählt: Butor will Guibert zum Zweikampfe fordern
dafür, dass er seinem Könige Judas widerrechtlich sein Land
entrissen habe. . . . Der Aumacor sucht Guibert zu bereden,
Judas Tochter und Land zurückzugeben, andernfalls er das
Leben verlieren würde. —
Es ist dies eine direkte Anspielung an die Einnahme von
Andrenas und Erwerbung Augaletes, des Judas Tochter, durch
Guibert.
d) Absch. 2297 — 2482 (p. 67) lesen wir: Mit herben Vor-
würfen darüber, dass er (Baldus) sich habe taufen lassen,
wird er von diesem (Judas) empfangen. Baldus entgegnet:
Judas habe ihn vor Andernai schmählich im Stich gelassen;
alle seine Erben habe er dort töten sehen müssen, und nur
mit Mühe sei er selbst mit seinem Weibe entkommen. Gegen
die Franzosen könne er nicht ausdauern im Kampfe, darum
habe er sich taufen lassen. — Man vgl. hierzu G. d’A. A 247 a
15 ff.; B 168a 10 ff.; C 164d 15 ff; D 190b 5 ff. und A 247c
14; B 168c 27; C 165b 33; D 191a 3 (s. No. 100 und 163a.).
e) Endlich Anden wir Abschn. 2615 — 2771 (p. 68) die
Stadt Andernai noch einmal neben Salerie erwähnt. —
164] Von den aus G. d’A. entnommenen oder in beiden Epen ähn-
lichen Situationen führe ich nur folgende charakteristische an:
a) Rohde, p. 63 Abschn. 192 — 457 wird erzählt: Butor
sprengt gegen ihn (Aymer), als aber sein erster Angriff erfolg-
los bleibt, wendet er sich zur Flucht. Aymer setzt ihm nach,
stösst ihn zu Boden und übergiebt ihn seinen Leuten. Dann
macht er sich zur Verfolgung des entlaufenen herrlichen Rosses
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Butors auf, um dessen Besitz es ihm bei dem ganzen Kampfe
nicht zum wenigsten zu thun war. Vor den Augen der Fran-
zosen stürzt er sich in das reissende Wasser, wird von der
Strömung fortgerissen, endlich aber doch durch sein Pferd ans
jenseitige Ufer gerettet. Hier dringen Perser und Türken auf
ihn ein, fliehen aber bald entsetzt vor seiner ungewöhnlichen
Tapferkeit. Inzwischen hat sich auch Butors Ross vor dem
Kriegslärm der Heidentruppen zurückgeflüchtet und wird nun
von Aymer aufgefangen. Dann kehrt dieser zu den Seinen zurück.
Heftige Auseinandersetzung zwischen Aymer und Aymeri.
Letzterer tadelt seinen Sohn, weil er sich so tollkühn in die
Wogen gestürzt und seinen Zurufen kein Gehör geschenkt habe.
In derselben Situation befinden sich Bauduc und Aymer
G. d’A. A 242 e 26 ff. ; B 161b 6 ff.; C 156c 18 ff.; D 181a
16 ff. (No. 89).
b) p. 64 Abschn. 700—1233: Nubie, des Aumacors lieb-
liche Tochter, hat Bertram gesehen und ist sofort von ver-
zehrend heisser Liebe zu ihm ergriffen. Mit Baufumes’ Hülfe,
die sie schnell gewinnt, beschliesst sie die Gefangenen zu be-
freien. Sie steigt in den Kerker hinunter und nimmt Bertram
das Versprechen ab, nach vollbrachter Befreiung sie zu seinem
Weibe zu nehmen. Dann schickt sie ihnen Speise und Trank,
sowie auch Waffen. —
Diesen Gedanken hat die Pr. de Co. nicht nur mit G.
d’A. — wenn auch hier der Sohn des gefangenen Aymeri das
Lösegeld für die Rettung ist; cf. A 246 d 9 ff; B 167 a 23 ff. ;
C I63d 19 ff. ; D 189a 29 ff. (cf. No. 99) — sondern auch mit
andern Chansons gemein (cf. No. 115 ff, 142 u. 144).
c) p. 67 Abschn. 2*97 — 2482 finden wir wie in G. d’A.
(cf. No. 90) die Kriegslist, durch die Drohung, einen Gefangenen
hinrichten zu lassen, ein Zugeständnis von den Feinden zu
erzwingen.
d) p. 68 Abschn. 2483 — 2614: Judas ergeht sich in er-
bitterten Drohungen gegen seine Tochter . . . Dann sucht er
Agaie zu bestimmen, zu ihrem alten Glauben zurückzukehren
und als Butors Gattin Königin von Afrika zu werden. Agaie
weist ihres Vaters Ansinnen mit höhnenden Worten ab. Judas
braust auf, aber Baldus beruhigt ihn ... .
Dies erinnert an G. d’A. A 246d46ff; B 167b 15 ff.;
C 164a 14 ff; D. 189b 24 ff. (cf. No. 99.) -
165] Was dagegen die Ansicht Rohdes anlangt, dass G. d’A.
und Pr. de Co. von demselben Verfasser herstammen könnten,
so kann ich derselben aus folgenden Gründen nicht beipflichten :
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Es ist auffällig, dass die Vermählungsfeier und sonstige
Ereignisse auf seiten der Franzosen sich in Salerie und nicht
in Andrenas abspielen, während in G. d’A. des Namens jener
Stadt des Judas nicht ein einziges Mal Erwähnung gethan
wird. Es würde dieser Umstand sowohl, wie der, dass Judas
in der Pr. de Co. noch als lebend gilt, dagegen sprechen, dass
diese Chanson und G. d’A. demselben Autor zuzuschreiben sind,
der wohl schwerlich, an unser Gedicht anknüpfend, Judas
wieder von den Toten auferstehen lassen würde. Doch steht
es ausser allem Zweifel, dass dem Dichter der Pr. de Co.
unser Epos dem Inhalte nach sehr wohl bekannt war.
g. Mort Ayrneri de Narbonne.
166] Über die Beziehungen von G. d’A. zu obigem Epos s.
Introd. der Ausgabe p. VII ff.
Du Parc ist der Ansicht, dass der Autor der Mt. A.
schwerlich die Chanson G. d’A. gekannt habe, da sich nur eine
einzige Anspielung an G. d’A. in Mt. A. fände und diese Verse
sehr wohl interpoliert sein könnten. Doch, fährt Du Parc
(p. Vül) fort : „11 est fait des allusions beaucoup plus frequentes
ä d’autres traditions sur le personnage de Guibert d’ Andrenas.“
Er führt solche an eine Expedition Guiberts gegen Judas „au
port d’Ossau“ an und bemerkt hierzu: „Cette expedition de
Guibert contre Judas aux ports d’Ossau, ä laquelle la Mart
Ayrneri fait des allusions si precises, nous est maintenant in-
connue et n’a point laisse d’autres traces, ä notre connaissance,
dans ce qui nous reste de notre ancienne poesie epique ; eile
devait, croyons-nous, etre racontöe dans une chanson de geste
perdue et qui etait familiäre ä notre trouvere. “
In G. d’A. wird der Name „Ossau“ nie genannt, noch auf
einen solchen Kriegszug Guiberts angespielt, und kann uns
dieser Umstand nur noch mehr dazu bewegen, der Ansicht
Du Parcs heizustimmen. —
h. Foulque de Candie,
167] Inhaltlich berühren sich G. d’A. und F. de C. nur in dem
beiden gemeinsamen allgemeinen Grundgedanken (cf. No. 115).
Guibert gilt bereits als tot, denn p. 29 der Ausgabe sagt
Bovon de Commarcis:
„.VII. freres fumes: n’en y a que troi vis,
Je, et Guillaume, et Beruart le marchis.“
Es muss also F. de C. doch wohl jünger sein als G. d’A.
Dafür spricht vielleicht auch, dass p. 83 eine Einnahme und
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Zerstörung von Balesguer erwähnt wird, die bei Beginn des
Krieges („XL ans a bien“) stattfand. Auffällig ist, dass wir
in F. de C. fast alle Namen wiederfinden, die G. d’A. aufweist.
P. Paris sagt Hist. litt. XXII, 544 über den Verfasser:
„Herbert le Duc est un versificateur exerce . . . Cependant il
ne sait pas composer, il ne sait pas finir. Les aventures qu’il
met en vers sont des lieux communs de combats, de prison
et d’amour.“
Verschiedene beiden Gedichten gemeinsame formelhafte
Verse finden sich auch in andern Chansons.
Wenn wir aber irgend einen geringen Einfluss eines der
beiden Epen auf das andere annehmen wollen, so muss G.
d’A. einen solchen auf F. de C. ausgeübt haben.
I. Enfances Vivlen.
168] Weder inhaltlich noch sprachlich zeigen die E. V. irgend
eine Verwandtschaft mit G. d’A. Doch kann der Dichter der
E. V. den St"ff von der Eroberung von Andrenas gekannt
haben ; , denn Gaut. berichtet am Schlüsse der Analyse der
E. V. (Epop. IV, 435) : „C’est alors que l’armee franqaise acheva
ses preparatifs de depart. Guibert retourna ä Andrenas, Beuve
ä Commarcis, Bernart ä Brebant, Naime en Baviere, Guillaume
et Bertrand ä Orange, Garin et Vivien ä Anseune.“
Möglich wäre allerdings auch, dass der Autor der E. V.
diese Stelle aus einer andern Chanson entnommen hätte, wo
auch von der Rückkehr der Söhne Aymeris in ihre Länder
erzählt oderGuiberts als Herrschers von Andrenas gedacht wird.
Leider liegt mir nur die Ausgabe des ersten Teils der
E. V. vor, sodass mir ein näheres Eingehen auf obige Stelle
nicht möglich ist.
169] In der erwähnten Ausgabe finden wir p. 47 in der
Hs. 24369 folgenden Zusatz:
Ci apres comence li Sieges de barbastre. incidences.
Die Herausgeber bemerken dazu:
„Oes ‘inddences’, qui paraissent etre de la meme main
que Les Enfances Vivien occupent les f 08 115 r° ä 169 r°.
Apres „Le sibge de Barbastre“ vient (fol. 156 v°) un Epi-
sode precede de cette rubrique : „coment . ay. dona sa terre
a son filludl et com » ent guibers fu rois dandrenas“. Le retour
& l’histoire de „Vimen“ est prepare par le couplet suivant
(fol. 169 r°, 2® col.) 1 ) etc.“
r ) Von fol. 169a an ist Hs. 24369 von, andererer Hand als das Vor-
hergehende geschrieben; cf. A. Nordfeit: Etudes sur la chanson des E.
V., Stockholm 1891 p. III.
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Gant. IV, 412 Anm. c lesen wir hierüber: Dans le ms.
24369 (anc. 23 La Valliere) , les Enfances ont ete coupees
en deux parties, entre lesquelles on a intercale le Sifye de
Barbastre. Quelques Couplets ont ete necessaires pour mettre
les lecteurs au courant de cette singuliöre intercalation (f 03 114
v° et 169 r°).
170] Zu berichtigen ist hierbei, dass nicht nur, der S. de B.,
sondern auch noch „un autre episode“ (Nordfeit: Etudesetc.III),
G. d’A., f° 156d -169b zwischen die beiden getrennten Teile
der E. V. eingeschoben ist.
Überblicken wir nun noch einmal dieses Kapitel unserer
Untersuchungen, so erhalten wir folgendes Resultat:
171] Die Pr. d’O., Aym. und Co. Lo. haben wohl mehr oder
weniger inhaltlich und sprachlich auf unsere Chanson G. d’A.
eingewirkt. Hinsichtlich der unverkennbar hervortretenden
Beziehungen zu Al. lassen wir es unentschieden, welches von
beiden Gedichten einen Einfluss auf das andere ausübte. Da-
gegen ist es bei dem S. de B. höchst wahrscheinlich, dass er
vom G. d’A. beeinflusst ist, und bei der Pr. de Co. ist eine
Abhängigkeit bezüglich des Stoffes von G. d’A. sogar unleug-
bar. Der Verfasser der Mt. A. hat wohl nicht unser Epos,
aber ein solches gekannt, das Guiberts Zug gegen Judas „aux
ports d’Ossau“ behandelte. E. de C. ist jünger als G. d’A.,
steht aber ebenso wie die E. V. in keinen engeren Beziehungen
zu ihm; doch können ihn beide gekannt haben. —
Berichtigung.
No. 42] ist statt p. 97 zu lesen: No. 103 Anm. 1.
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Lebenslauf.
Am 14. August 1866 wurde ich, Carl Hermann Siele, als der
Sohn des Kaufmanns Carl Siele und dessen Ehegattin Agnes geh. Leissling,
zu Crossen bei Zeitz, Provinz Sachsen, geboren. Ich gehöre der evangelisch-
lutherischen Confession an. Meinen ersten Unterricht erhielt ich in der
Elementarschule meines Heimatsortes. Ostern 1878 trat ich in die Quinta
des Herzoglichen Christians-Gymnasiums zu Eisenberg, S.-A., ein, welche
Anstalt ich Ostern 1886 mit dem Zeugnis der Reife verliess. Seitdem
widmete ich mich in Leipzig anfangs dem Studium der Theologie, seit
S.-S. 1887 aber dem der modernen Philologie. Michaelis 1888 bezog ich
die Universität Marburg und bestand hier am 15. Juni 1891 das Examen
rigorosum. Sommer 1889 bis Frühjahr 1890 hielt ich mich Studien halber
in London und Paris auf.
Meine akademischen Lehrer waren die Herren Professoren und Do-
zenten: von Bahder, Bergmann, Biedermann. Cohen, Delitzsch
(f), Ebert (f), Fischer, Heinze, Hofmann, Kauffmann, Koch,
Kögel, H. Körting (f), Natorp, Pückert, Schröder, Settegast,
Stengel, Techmer (f), Vietor, Wiilker, Zarncke (f).
Ihnen allen fühle ich mich zu stetem Danke verpflichtet. Herrn
Professor Stengel insbesondere sei für seine wohlwollende Unterstützung
bei vorstehender Arbeit und für Förderung meiner Studien auch an dieser
Stelle mein aufrichtigster Dank ausgesprochen.
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